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Präventionsprojekt an BBS I Delmenhorster Schüler nehmen Cybermobbing in Fokus

Von Merlin Hinkelmann | 29.05.2017, 15:29 Uhr

Wie wird man zum Opfer? Und wie zum Täter? Schüler der BBS I haben sich im Rahmen eines Präventionsprojekts über die Gefahren von Cybermobbing informiert.

Es ist ein kurzer Videoclip, der das Leben von Jakob ins Chaos stürzt. Er, der 15-jährige Schüler, sensibel und introvertiert, mitten in der Pubertät, ist am Boden. Seine Eltern streiten unentwegt. Und dann ist da noch Hannah, in die Jakob heimlich verliebt ist. Das Einzige, was ihm im Alltag hilft, ist eine Videokamera. Mit ihr filmt er alles, wirklich alles. Dann die Katastrophe. Sein Kumpel bekommt die Kamera in die Hände und stellt einen kompromittierenden Clip ins Netz: Jakob hat sich beim Onanieren gefilmt und Hannahs Namen in die Kamera gehaucht.

Welche Folgen hat Cybermobbing?

Die Geschichte von Jakob, sie ist fiktiv, stammt aus dem Film „Homevideo“ mit Jonas Nay in der Hauptrolle. Doch ob fiktiv oder nicht: 23 Schüler der einjährigen Berufsfachschule Wirtschaft an der BBS I hat „Homevideo“ zum Nachdenken angeregt. Unter Leitung von Schulsozialarbeiter Björn Knölke haben die Jugendlichen an einem Präventionsprojekt zum Thema Cybermobbing teilgenommen. Anhand des Spielfilms sollten sie lernen, welche Folgen Mobbing im Internet für Betroffene haben kann. Knölke hatte sich ganz bewusst für diese Methode entschieden: „Der Film geht unter die Haut und zeigt die Verzweiflung sehr anschaulich. Die Schüler müssen begreifen, was Cybermobbing mit den Menschen macht.“ Bei den ersten Szenen hätten die Jugendlichen noch gelacht. „Später wurde die Stimmung deutlich gedrückter.“

Schüler schildern eigene Erfahrungen

Knölke geht es vor allem um Sensibilisierung. Wichtig ist ihm, dass sich die Schüler gemeinschaftlich mit dem Thema beschäftigen und eigene Erfahrungen schildern. Wie wird jemand zum Mobber? Wie wird man zum Mitläufer? Und: Was können Zeugen von Cybermobbing tun? Auf diese Fragen sollten die Schüler selbst Antworten finden. In Kleingruppen erstellten sie deshalb Plakate, auf denen sie ihre Ergebnisse festhielten und den Spielfilm Stück für Stück aufarbeiteten. „Mit den anderen zu diskutieren, das war ziemlich interessant“, berichtete Sabrina Lück (16). Hat das Präventionsprojekt sie überzeugt? „Ja, ich denke, wir können nun besser eingreifen, wenn wir Cybermobbing beobachten.“

Einmal im Netz – immer im Netz

In Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche immer häufiger in sozialen Netzwerken unterwegs sind, sei es unerlässlich, auf die Gefahren von Cybermobbing aufmerksam zu machen, sagt Knölke. Der Sozialarbeiter weiß: „Viele Schüler tauschen sich in Whatsapp-Gruppen aus. Hier ist der Raum für Cybermobbing besonders groß.“ Er beobachte immer wieder, dass junge Menschen unreflektiert Informationen über sich im Internet preisgeben. „Einmal im Netz, immer im Netz“, brachte Knölke es auf den Punkt. Für Klassenlehrerin Diana Lust war es das erste Mal, dass sie mit ihren Schülern an einem Cybermobbing-Präventionsprojekt teilgenommen hat. „Ich habe gelernt, dass die Klasse sehr konfliktfähig ist“, lobte sie das Engagement der Teilnehmer. Lust will das Projekt nun mit der Klasse nachbereiten, um das Bewusstsein nachhaltig zu festigen.