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Präventionsprojekt an Delmenhorster Hauptschule West Kunst gegen Komasaufen

Von Frederik Grabbe | 30.01.2015, 15:25 Uhr

Sie mussten erbrechen, waren bewusstlos und nicht mehr ansprechbar: 28 „Komasäufer“ sind vergangenes Jahr in das Klinikum eingeliefert worden. Drei von ihnen waren erst 13 Jahre alt. Die Krankenkasse DAK möchte über den Bundeswettbewerb „bunt statt blau“ erreichen, dass sich Schüler künstlerisch mit Alkoholkonsum auseinandersetzen. Mit dabei: Die Hauptschule West aus

„In Niedersachsen geht das Komasaufenzurück. Dennoch haben einige Jugendliche noch immer viel zu früh Kontakt zum Alkohol“, sagt Detlev Hesse von der DAK Delmenhorst. Im Schnitt wurden in den vergangenen Jahren immer um die 30 Jugendliche wegen Alkoholmissbrauchs ins Klinikum eingeliefert, sagt Dr. Claudia Niekrens, Oberärztin im Klinikum. Allerdings stammen einige von ihnen auch aus dem Landkreis.

Nach dem Rausch: Erwachen in Windeln

„Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Wir werden nur tätig, wenn Jugendliche so sehr alkoholisiert sind, dass sie erbrechen müssen oder bewusstlos sind“, sagt Niekrens. Fälle, in denen kein Krankenwagen gerufen werde, bekomme sie nicht mit. Wie andere Patienten auch würden besinnungslose Jugendliche mit Patientenkittel ausgestattet - und erwachten am nächsten Morgen mit einer Windel. Darum sei der Aufenthalt im Krankenhaus auch ein „ total peinliches Erlebnis“, weiß Nils Bartelsen von der AWO-Drogenberatungstelle drob und eng zusammen mit dem Klinikum zusammenarbeitet. Eine Umfrage unter Schülern der Stadt, die das Bündnis „Riskanter Konsum“ durchgeführt hat, habe laut Bartelsen ergeben, dass 13-Jährige häufig mehr als nur einen Schluck Alkohol zu sich nehmen. Viele erlebten bereits mit 14 Jähren ihren ersten Rausch. Bartels: „Auch wenn die Anzahl der Rauscherfahrungen unter den 13-Jährigen zurückgeht: Selbst 14- bis 15-Jährige sollten keinen Alkoholrausch haben.“

„Teilweise klären sogar Schüler ihre Eltern über Alkohol auf“

Und genau hier soll das Präventionsprojekt der DAK ansetzen: Bei der Akzeptanz der Jugendlichen gegenüber Alkohol. „Die Schüler sollen sich selbst etwas erarbeiten, mit den eigenen Händen etwas schaffen. So sind die Inhalte eindrücklicher“, sagt der Schulsozialarbeiter Ralf Kronhardt zu dem Kunstprojekt, bei dem in rund zehn Unterrichtsstunden in sechs Klassen der Jahrgänge sieben bis neun Plakate zum Komasaufen erstellt werden sollen. Dabei helfen soll der Wettbewerbscharakter des Projekts – und die Mundpropaganda unter den Jugendlichen selbst. „Wenn sich Jugendliche untereinander mit dem Thema Alkohol beschäftigen, hat es eine ganz andere Wirkung, als wenn nur ein Erwachsener mahnen würde“, ist sich der stellvertretende Schulleiter der Hauptschule West, Woldemar Schilberg, sicher. Die Schule selbst nimmt zum zweiten Mal an dem DAK-Projekt teil. Vergangenes Jahr habe sich laut Kronhardt gezeigt: „Teilweise klären die Schüler ihre Eltern zuhause auf.“ Denn Eltern in die Präventionsarbeit einzubinden sei schwer, was nicht zuletzt mit einem „steigenden Desinteresse an der Kindeserziehung“ zusammenhänge.