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Präventionsprojekt im JHD Delmenhorster Krankenhaus wendet sich an Jugendliche

Von Jasmin Johannsen | 08.05.2017, 18:31 Uhr

Mit dem Handy in der Hand am Steuer – dieser Leichtsinn kann ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Was auf Unfallopfer im Krankenhaus zukommt, zeigt das JHD in einem Präventionsprojekt.

„Jedes Unfallopfer ist eines zu viel“, sagt Jörg Retzlaff, Klinikdirektor und Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Josef-Hospital. Mit dem Ziel, die Verkehrsunfallrate unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu dezimieren, veranstaltete Retzlaff das weltweit durchgeführte Präventionsprojekt „P.A.R.T.Y.“ (steht für „Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth“) am Montag erstmalig in Delmenhorst. Über 30 Schüler und Schülerinnen des 11. Jahrgangs waren vom Gymnasium Ganderkesee ins JHD gekommen, um auf einem sogenannten „Trauma-Rundgang“ Einblicke in die verschiedenen Behandlungsstufen eines schwerverletzten Unfallopfers zu erhalten.

Von der Einlieferung im Rettungswagen über die Erstversorgung in der Notaufnahme, Aufenthalt auf der Intensiv- und Normalstation, bis zur Nachversorgung durch die Physiotherapie durchliefen die Schüler und Schülerinnen verschiedene Stationen. Dabei konnten sie nicht nur Informationen aus erster Hand von den zuständigen Ärzten und dem Pflegepersonal erhalten, erlaubt war auch das Gespräch mit betroffenen Patienten. Abgerundet wurde der Aktionstag durch Vorträge der Polizei und eine Gesprächsrunde mit Unfallopfern, die von ihrem Kampf zurück ins Leben berichteten.

Wahrnehmung schulen

„Wir wollen die Wahrnehmung der Jugendlichen schulen und gefährlichen Leichtsinn vorbeugen“, erklärt Retzlaff. „Vielleicht überlegen sie es sich jetzt zweimal, bevor sie das Handy in die Hand nehmen, wenn sie am Lenkrad sitzen“, hofft der Klinikdirektor. Eindruck habe der Aktionstag auf jeden Fall gemacht, sind sich die Gymnasiasten einig. „Mich hat der Anblick von Koma-Patienten auf der Intensivstation stark berührt“, erzählt der 17-jährige Wilke Stubben. Auch das Gespräch mit einer Patientin, die von ihren Problemen nach einer Hüftoperation berichtete, werde dem Schüler noch lange im Gedächtnis bleiben.

Unfallopfer berichtet

Bei den Schilderungen Betroffener sollte es aber nicht bleiben: Die Gymnasiasten durften auch am eigenen Leib erfahren, was es bedeutet, nach einem Unfall gehandikapt zu sein. In den Räumen der Physiotherapie wurden den Jugendlichen Schienen angelegt, sie durften im Rollstuhl Platz nehmen oder sich eine Beinprothese von Orthopädietechniker Reinhard Graßmann anschnallen lassen. Graßmann hat selbst bei einem Motorradunfall ein Bein verloren und ist sich sicher: „Wenn nur ein Unfall durch dieses Programm verhindert werden kann, dann wäre es doch schon ein voller Erfolg.“

Weitere Termine fest geplant

Aufgrund der großen Nachfrage unter den Schulen soll das Projekt nun viermal pro Jahr im JHD veranstaltet werden. Die nächsten „Trauma-Rundgänge“ finden am 7. September und 16. November statt. Schulen können sich ab sofort im Sekretariat Orthopädie und Unfallchirurgie bewerben.