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Praxisaufgabe angekündigt Zahl der Kinderärzte in Delmenhorst soll auf Stand bleiben

Von Thomas Breuer | 30.03.2017, 08:26 Uhr

Ein Delmenhorster Kinderarzt plant seinen beruflichen Ruhestand und viele Eltern machen sich Gedanken: Ist eine ausreichende Versorgung im Stadtgebiet auch künftig gewährleistet?

Die Nachricht, dass der Kinderarzt Gerd Traue voraussichtlich Mitte laufenden Jahres seine langjährige Praxis an der Lahusenstraße aufgeben wird, wirft für viele betroffene Eltern und Kinder – auch in sozialen Netzwerken – Fragen auf. Wird es einen Nachfolger geben? Bleibt eine ausreichende Versorgung in diesem Bereich für Delmenhorst gewährleistet?

Kassenärztliche Vereinigung zuversichtlich

Eine erste vorsichtige Entwarnung kommt von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Ich gehe nicht davon aus, dass in der Stadt ein Sitz für einen Kinderarzt wegfällt“, sagte auf Nachfrage Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Oldenburg. Auf Details könne er aus Datenschutzgründen nicht eingehen.

Notlage ist nicht zu befürchten

Was manche Eltern überraschen mag: Auch ohne eine neue Praxisbesetzung würde vor Ort hinsichtlich des gesetzlichen vorgesehenen Bedarfs keine Notlage entstehen. In Delmenhorst gibt es aktuell außer der Praxis Traue vier weitere Sitze von Kinderärzten: zwei in der Praxis Dr. Renauld/Papke an der Langen Straße sowie jeweils einen in den Praxen Kanders an der Cramerstraße und Müller-Wening an der Mühlenstraße.

Landkreis Diepholz und Delmenhorst gelten als ein Bereich

Delmenhorst existiert auf dem Papier bei der Ärzteversorgung aber nicht als eigenständige Region, sondern als Teil des Planungsbereichs Landkreis Diepholz/Delmenhorst, wie ihn das Bundesinstitut für Raumordnung festgelegt hat. In diesem Großbereich sind laut KVN zurzeit 15 Kinderärzte (außerhalb der Krankenhausversorgung) ansässig, was einer Versorgungsquote von 124,1 Prozent entspreche.

Ein Kinderarzt für 3390 Mädchen und Jungen

Im Landkreis Diepholz und in Delmenhorst leben nach Angaben der KVN 48233 Kinder, für je 3990 von ihnen sieht der Gesetzgeber einen Kinderarzt vor. „Übersteigt die Zahl der niedergelassenen Kinderärzte die Bedarfsplanung um mehr als zehn Prozent, gilt eine Sperre“, sagt Scherbeitz.

Wenn nun ein Kinderarzt aufgebe, könne er seinen angestammten Sitz an einen Nachfolger übergeben. Verzichtet er im jetzt akuten Fall drauf, würde die Praxis aufgrund der bestehenden Versorgungsdichte ersatzlos geschlossen.

Traue selbst wollte sich am Mittwoch auf Nachfrage unserer Zeitung nicht äußern.