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Premiere am 26. August Delmenhorster Musikschüler proben Operette „Clivia“

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 16.05.2016, 11:49 Uhr

Das Musiktheater der Musikschule der Stadt Delmenhorst probt derzeit die Operette Clivia. Das dk durfte bei einer Probe dabei sein.

„Das wird jetzt ein fürchterliches Chaos werden. Aber das macht nichts“, kündigt Musikschulleiter Michael Müller seinen Darstellern an. Auf dem Probenplan des Musiktheaterensembles der Musikschule der Stadt Delmenhorst (MSD) stand am Samstag die Finalszene der Operette „Clivia“. Die Vorbereitungen für die Aufführungen laufen mittlerweile auf Hochtouren. In knapp drei Monaten ist die Premiere. Zunächst wird das Schlusslied gesungen. Erst jede Stimme einzeln, dann alle zusammen. „Jetzt legt mal das Textbuch aus der Hand“, fordert Müller auf.

Choreografie wächst in rasender Geschwindigkeit

Die Wirkung ist erstaunlich: Die Darsteller achten weniger auf den Text und mehr auf ihre Stimmen. Danach kommt die Bewegung ins Spiel. Die Choreografie des Liedes wird festgelegt. Wer kommt wann auf die Bühne? Wie bewegen sich die Darsteller zu der Musik? Es passiert Erstaunliches: Innerhalb einer Dreiviertelstunde wächst das Finale von „Clivia“ von einer Gesangsprobe mit Textbuch in der Hand zu einer fast ausgereiften Choreografie heran. Von dem von Müller prophezeiten „fürchterlichen Chaos“ ist nicht mehr viel zu sehen. „Wir sind schon erstaunlich weit“, sagt Darsteller Philipp Berse.

Stück spielt in südamerikanischer Bananenrepublik

„Clivia“ ist eine Operette von Nico Dostal, die in der fiktiven Bananenrepublik Boliguay spielt: Ein US-Investor will in dem Land die US-hörige Vorgängerregierung wieder einsetzen. Zur Verschleierung gibt er vor, dort einen Film drehen zu wollen. Um eine Erlaubnis dafür zu bekommen, verheiratet er seine Hauptdarstellerin Clivia Gray mit einem Gaucho. Doch was der Investor nicht weiß: Der vermeintliche Gaucho ist der Anführer der Putschisten in Boliguay.

Operette erlebt ein erstaunliches Revival

„Es ist in der Originalfassung eine sehr an den Haaren herbeigezogene Schlager-Operette“, urteilt Müller. Doch erlebt sie derzeit ein erstaunliches Revival: Die Komische Oper Berlin spielt das Stück aktuell mit großem Erfolg in einer gründlich entstaubten und aufgepeppten Fassung von Kai Tietje. Dieser hat sich auch die MSD angenommen. Eine wichtige Rolle in der Bearbeitung wird das 32-köpfige MSD-Orchester einnehmen, das von Adrian Rusnak geleitet wird: Südamerikanische Klänge geben dem Stück seinen Schwung. „Viele kennen Musik aus Clivia, wissen aber nicht, dass es aus dem Stück ist“, sagt Müller. Den Rest besorgen die Darsteller auf der Bühne. Die Probe am Samstag hat bereits deutlich gemacht: Hier steht der Spaß im Vordergrund, alles ist deutlich auf die Spitze getrieben, es wird viel gelacht. Das wird sich sicher auch auf das Delmenhorster Publikum übertragen.

Inspiration in Berlin geholt

Von der Übertreibung lebt auch das Stück in Berlin, nicht zuletzt weil dort die Rolle der Clivia mit einem Mann besetzt ist. Diesen – so Müller – „zusätzlichen Kick wird es auch in der hiesigen Produktion geben. Eine MSD-Delegation hat sich das Stück kürzlich angesehen und Inspiration für ihre Fassung gefunden. „Man kann lernen, dass sich die Leute trauen, es maßlos zu übertreiben. Das Publikum war begeistert“, berichtet Müller. „Es ist Kitsch, der auch Kitsch sein will“, fasst Müller zusammen.

Aufführungen im August und September

Die MSD führt „Clivia“ am 26. August, 9. September und 16. September um 19. 30 Uhr sowie am 4. und 11. September um 16 Uhr im Kleinen Haus auf. Der Vorverkauf im MSD-Büro, Schulstraße 19, beginnt am 8. August.