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Premiere im Kleinen Haus Viel Applaus für Niederdeutsches Theater Delmenhorst

Von Alexander Schnackenburg | 04.10.2015, 15:39 Uhr

Klamotte mit Erfolgsgeschichte: Das Niederdeutsche Theater Delmenhorst beglückt in der Regie Philip Lüsebrinks das Publikum mit Ken Ludwigs Komödie „Otello draf nich platzen“.

Delmenhorst. Schon der Kontrast zwischen der englischen Sprache und jener der Musik, der italienischen, bietet der Komödie reichlich Stoff. Der Verdi auf Englisch oder auch Puccini gefangen zwischen „TH“ und breiten Doppelvokalen waren nicht umsonst immer schon ausgewiesene Lieblingsthemen des Musikkabaretts sowie zwischen Sängern in den Kantinen der Opernhäuser. Es funktioniert aber auch mit Plattdeutsch, wie das Niederdeutsche Theater Delmenhorst (NTD) jetzt mit seiner Produktion „Otello draf nich platzen“ liebevoll beweist. Zur Premiere in Delmenhorst füllte sich das „Kleine Haus“ am Samstag etwa zu zwei Dritteln.

Viel Charme

Im Grunde handelt es sich bei „Lend me a Tenor“, wie Ken Ludwigs Komödie im Original heißt, um eine hanebüchene Klamotte – die allerdings auf eine sagenhafte Erfolgsgeschichte zurück blickt: Bereits in 16 – nun wohl 17 – Sprachen ist die Komödie bereits übersetzt worden. Gerade auf den Spielplänen der deutschen Tourneetheater taucht sie seit ihrer Uraufführung im Jahr 1986 immer wieder auf: weil diesem Stück trotz (oder gerade wegen?) einer gänzlich unglaubwürdigen Handlung Charme innewohnt.

„Wiederaufstehung“ des Sängers

Diesen Charme haben Regisseur Philip Lüsebrink und das Ensemble des Niederdeutschen Theaters sorgsam herausgekitzelt. Der italienische Startenor Tito Merelli (Dirk Wieting), dem im Original die Cleveland Grand Opera entgegen fiebert, auf dass er dort Giuseppe Verdis Otello singe, soll in dieser Fassung in Ganderkesee auftreten. Allerdings wird der große Gast pünktlich zur Vorstellung so krank, dass ihn die übrigen Figuren des Stücks gar für tot halten. Max (Niklas Müller), rechte Hand des Operndirektors (Heinrich Caspers) sowie dessen Schwiegersohn in spe, muss in die Bresche springen und macht seine Sache so gut, dass alle glauben, tatsächlich Merelli auf der Bühne erlebt zu haben – mit dessen „Wiederauferstehung“ sich die Lage nun aber erst so richtig zuspitzt.

Macht, Ruhm und Eifersucht

Wie der Autor, so geizt auch der Regisseur dieser Delmenhorster Inszenierung des Stücks nicht mit Klischees aus den Elementen Macht, Ruhm und Eifersucht. Vor den Augen des Zuschauers nimmt die Komödie ordentlich Fahrt auf, derweil aus den Lautsprechern große Tenor-Arien Verdis und Puccinis ertönen – analog zum Bühnengeschehen nicht aus der Kehle eines einzigen Tenors, sondern verschiedener. Ironischerweise aber führen gerade diese Einspielungen die Handlung des Stücks ad absurdum. Denn der Pavarotti unter den Interpreten bleibt doch stets unverwechselbar.