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„Problem wird verharmlost“ Forscher klärt in Delmenhorst über Kinderarmut auf

06.08.2017, 18:50 Uhr

„Kinderarmut in einem reichen Land“ - Unter diesem Titel hielt der Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge am Sonntag einen Vortrag in der AWO-Begegnungsstätte.

„Das Thema Armut ist in Deutschland immer noch mit Scham behaftet.“ Mit diesen Worten eröffnete der Politikwissenschaftler und Armutsforscher Prof. Dr. Christoph Butterwegge von der Universität Köln am Sonntag seinen Vortrag zum Thema „Kinderarmut in einem reichen Land“. Die Delmenhorster Linkspartei hatte ihren Bundestagspräsidentschaftskandidaten in die Begegnungsstätte der AWO eingeladen, um Näheres über die Hintergründe der Kinderarmut in Deutschland zu erfahren.

Jedes dritte Kind von Armut betroffen

Ein wichtiges Thema, gerade auch für Delmenhorst, findet Manuel Paschke, Kreissprecher von „Die Linke“: „Jedes dritte Kind ist hier von Armut betroffen.“ Damit habe Delmenhorst, nach Wilhelmshaven, den zweithöchsten Anteil der von Armut betroffenen Kinder in Niedersachsen, bekräftigte Butterwegge.

„Wir müssen die Ursachen der Kinderarmut kennenlernen, nur dann können wir etwas dagegen tun“, ist sich der Armutsforscher sicher. Butterwegge sieht drei Gründe, warum auch in einem reichen Staat wie Deutschland Millionen Kinder in Armut oder armutsähnlichen Zuständen leben müssen. Der zunehmende Um- und Abbau des Sozialstaates, sowie die Umstrukturierung des Arbeitsmarktes hin zu einem immer häufigeren Auftreten von Leiharbeit und Minijobs seien Ursachen für Armut in den Familien, so der Politikwissenschaftler.

„Problem wird verharmlost“

„Auch die Auflösung der ‚Normalfamilien‘ nimmt immer stärker zu“, erklärt Butterwegge. Gerade Kinder von Alleinerziehenden seien überdurchschnittlich oft von Armut betroffen.

Butterwegge plädiert für einen Umschwung in der Wahrnehmung von Kinderarmut in Politik, Medien, Wissenschaft und Gesellschaft: „Das Problem wird verharmlost!“