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Probleme mit Arztterminen Facharzttermine in Delmenhorst schwer zu bekommen

Von Jan Eric Fiedler | 24.07.2015, 21:39 Uhr

Das neue Versorgungsstärkungsgesetz soll Facharzttermine innerhalb von vier Wochen garantieren. Für die Kassenärztliche Vereinigung verfolgt die Politik einen falschen Ansatz.

Wer einen Termin bei einem Facharzt haben möchte, muss mitunter mit langen Wartezeiten rechnen. Bei manchen Ärzten – beispielsweise Augen- und Hautärzten – gibt es sogar Aufnahmestopps

Das Versorgungsstärkungsgesetz, das in dieser Woche in Kraft getreten ist, soll Abhilfe schaffen. Doch daran zweifeln Ärzte und Kassenärztliche Vereinigung.

Die Vereinigungen bekommen per Gesetz eine neue Aufgabe zugeteilt: „Wir müssen innerhalb eines halben Jahres Terminservicestellen einführen“, berichtet Helmut Scherbeitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Oldenburg der KV Niedersachsen. Innerhalb von vier Wochen soll Patienten über diese Stellen ein Termin bei einem Facharzt vermittelt werden.

Skepsis im Netzwerk Curanexx

Das Ärztenetzwerk Curanexx, in dem 58 Ärzte aus der Region organisiert sind, steht dem Gesetz und den Servicestellen skeptisch gegenüber, wie sein Sprecher Dr. Carsten Taut erklärt. „Innerhalb des Netzwerkes bemühen wir uns, Facharzttermine untereinander zu vermitteln. Wir werden von uns aus keine Initiative ergreifen und den Terminservicestellen Termine übermitteln“, sagt Taut. Dies habe auch einen fachlichen Hintergrund: „Ärzte können einschätzen, ob ein Facharzt nötig ist. Das kann eine Servicestelle nicht.“

KV-Geschäftsführer Scherbeitz befürchtet auch aus anderen Gründen, dass sich die Terminvergabe nicht so leicht umsetzen lässt: „Wir haben kein Verteilungsproblem, wir haben ein Kapazitätsproblem.“ Solange es nicht mehr Ärzte gibt, ändere sich an dem Problem der langen Wartezeiten und der Aufnahmestopps nichts. Das sieht auch Taut so und verweist auf lange Wartezeiten für Hautarzttermine, da der Landkreis keine zusätzliche Stelle zugewiesen bekomme.

„Wenn man eine Lösung möchte, eine Verbesserung der Versorgung, muss man bereit sein, mehr Ärzte in der Bedarfsplanung zulassen und dann auch mehr Geld geben“, sagt Scherbeitz.

Neue Bedarfsplanung 2016

Die aktuell geltende Bedarfsplanung ist fehlerhaft und veraltet, meint Taut. Sie berücksichtige nicht, dass es immer mehr ältere Menschen gibt, die häufiger von Fachärzten betreut werden müssten.

Im Versorgungsstärkungsgesetz ist laut Scherbeitz eine neue Bedarfsplanung für 2016 vorgesehen, aber keine Finanzierung weiterer Praxen. „Der Ansatz der Politik ist nicht zielführend. Er löst das Problem der Finanzierung nicht.“

Hinzu kommt ein weiterer Punkt, der laut Scherbeitz gerade die Patienten in Delmenhorst betrifft: „Delmenhorst ist organisatorisch mit dem Landkreis Diepholz zusammengefasst.“ Entsprechend würde auch die Terminvergabe in diesem Gebiet organisiert. „Ob ein Patient für einen Hautarzttermin gerne nach Sulingen oder Diepholz fährt, ist fraglich“, meint Scherbeitz. „Man hat die Ärzte damit verärgert und wird auch die Patienten verärgern.“