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Problemviertel in Delmenhorst Hilferuf aus dem Wollepark: „Werden wie Tiere behandelt“

Von Johannes Giewald, Johannes Giewald | 13.05.2017, 14:29 Uhr

Seit zwei Wochen kein Gas, ab Montag haben sie auch keinen Zugang zu fließendem Wasser mehr: Die Bewohner in zwei Wohnblöcken im Wollepark in Delmenhorst sind verzweifelt und frustriert.

„Ich weiß nicht, wo ich hin soll“: Bewohnerinnen der Problemblöcke im Wollepark haben sich enttäuscht an diese Redaktion gewandt. Im Stich gelassen fühlen sie sich in ihrer Situation ohne Gas, bald auch ohne Wasser. Ihre empfundene Hilflosigkeit schlägt in Frust um. „Wir waren schon überall und haben keine Hilfe bekommen, nicht von der Diakonie, nicht von der Stadt“, sagt eine der Frauen aus dem Problemviertel.

„Ich schäme mich“

Namentlich genannt werden wollen sie nicht, auch Fotos lassen sie nicht von sich machen. „Ich schäme mich“, gibt eine vierfache Mutter zu. Ihre Kinder können seit Tagen nur noch kalt duschen, ab Montag gar nicht mehr in der heimischen Wohnung. „Du kannst doch nicht Kinder stinkend in die Schule schicken.“

Ihre dreijährige Tochter sei krank geworden, in der Wohnung sei es kalt bei den niedrigen Temperaturen der vergangenen Tage. Die ganze Wohnung werde nur mit einem kleinen Elektroheizgerät aufgewärmt. Das zieht viel Strom und könne daher auch nicht durchgehend laufen. (Weiterlesen: Wassersperre im Delmenhorster „Wollepark“ ab Montag) 

Schwärmen vom früheren WolleparkDer Abriss in den vorderen Wollepark-Blöcken gibt Einblick in ehemalige Wohnungen. Foto: Marco Julius

Die Menschen würden sie anders behandeln, weil sie aus dem Wollepark kommen, klagen die Frauen. „Die Leute sagen, wir sollen doch in ein Obdachlosenheim gehen. Das können wir doch nicht machen mit Kindern.“Eine Wohnung woanders zu finden, sei nicht möglich. „Die Vermieter sagen, wo wohnen Sie? Im Wollepark? Tut mir leid, ich habe keine Wohnung frei.“ Die Herkunft aus dem Problemviertel scheint wie ein Stigma an den Bewohnern zu hängen.

In eine andere Stadt wollen sie nicht ziehen. Seit 15 Jahren wohne sie im Wollepark, erzählt eine gebürtige Polin. Eine Frau mit kroatischen Wurzeln bereits seit 25 Jahren. „Der Wollepark, so schön, ooohh, mit Stühlen und Bänken“, gerät sie ins Schwärmen von jenem Viertel, dessen Bild heute von Beton, Müll und Schmutz geprägt ist. „Wir brauchen den Wollepark wie früher mit Blumen.“ Das Bild, das die Menschen aus Delmenhorst von dem Viertel haben, sei falsch. Ja, es sei schmutzig im Wollepark, aber das hieße nicht, dass alle kriminell sind. (Weiterlesen: Delmenhorster leisten Hilfe für Wollepark-Bürger) 

„Wir sind doch nicht schuld“

Ihre Wut gilt ihren Vermietern, aber auch von Oberbürgermeister Axel Jahnz und der Stadt fühlen sie sich im Regen stehen gelassen. „Wir werden schlimmer behandelt als die letzten Tiere“, sagt eine andere Frau, „wir sind doch nicht schuld.“ Am Montag wollen sie ihren Frust in der Delmenhorster City nach außen tragen. Mit Plakaten ziehen sie ab 11 Uhr durch die Innenstadt bis zu der Geschäftsstelle der Stadtwerke. Eine Bewohnerin hat die Demo offiziell bei der Stadt angemeldet.

 Weiterlesen: Problemblöcke im Wollepark: Viele Bewohner haben Miete gekürzt