Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Problemviertel Wollepark Delmenhorst will Elendshäusern Wasser abdrehen

Von Michael Korn | 17.03.2017, 17:58 Uhr

Die Stadt Delmenhorst droht erneut Wohnungseigentümern im Wollepark damit, Gas und Wasser abzudrehen. Hintergrund: In den Problemblöcken 11 und 12 sind Versorgungsrechnungen von rund 200000 Euro offen.

Erneut droht im Delmenhorster Problemviertel Wollepark eine Eskalation der ohnehin katastrophalen Wohnverhältnisse in zwei von hunderten Osteuropäern bewohnten Elendsblöcken: Weil die Eigentümer den Stadtwerken rund 200.000 Euro für Gas und Wasser schulden, droht die Stadt damit, in zwei Wochen die Versorgung zu kappen. Das kündigte am Freitag Oberbürgermeister Axel Jahnz in großer Runde mit Polizei, Sozialbehörde und Stadtwerken an.

Notversorgung mit Trinkwasser

Bereits 2015 hatte es eine ähnliche Situation gegeben. Damals sprang die Stadt ein und beglich offene Rechnungen von 86.000 Euro – die von den Eigentümergesellschaften der Häuser 11 und 12 noch immer nicht abgestottert sind. Diesmal werde die Stadt jedoch nicht mit auch nur einem Cent in die Bresche springen, versicherte Jahnz. Dafür gebe es auch einhellige Rückendeckung der Ratsspitze im Verwaltungsausschuss. Es sei jetzt wichtig, die Vermieter zu zwingen, zu reagieren. Andernfalls drohten Zwangsräumungen und Zwangsvollstreckungen. Ohne Wasserversorgung seien die ohnehin heruntergekommenen Wohnungen binnen drei Tagen nicht mehr nutzbar. Stadtwerke-Chef Hans-Ulrich Salmen ergänzte, dass den Verwaltungsgesellschaften der betreffenden Blöcke am Freitag die Unterbrechung der Wasserversorgung in 14 Tagen angedroht worden sei. Danach folge ohne weiteren Zahlungseingang auch das Kappen des Heizgases. Sollte es so weit kommen, würden die Stadtwerke die betroffenen Mieter notdürftig mit Wasser aus einem Tankwagen oder an einem Hydranten versorgen. Wie viele Personen sich genau in den Häusern 11 uns 12 aufhalten und wie viele Kinder und Jugendliche betroffen sind, kann die Verwaltung nicht genau sagen aufgrund der undurchsichtigen Miet- und Lebensverhältnisse. Den Fachbereichsleitern Soziales sowie Gesundheit, Rudolf Mattern und Petra Gerlach, sind etwa 350 gemeldete Menschen – darunter 80 Minderjährige – bekannt. Real halten sich jedoch in den Wohnungen deutlich mehr Bewohner als „Besucher“ auf.

OB kritisiert „Immobilienhaie“

OB Jahnz bekräftigte, dass die Stadt den Eigentümergesellschaften ein deutliches Zeichen setzen wolle: „Das sind Immobilienhaie, die sich auf Kosten der Bewohner, der Steuerzahler und auch Einrichtungen wie Awo und Diakonie der Allgemeinheit bedienen.“ Die Stadt werde hier zum Spielball gemacht. Petra Gerlach sprach von Zuständen, die kaum mehr hinnehmbar seien. Sollten Wohnungen aufgrund fehlender Gas- und Wasserversorgung stillgelegt werden müssen, könne insbesondere für Familien auf freie Unterkünfte für Flüchtlinge zurückgegriffen werden.

Blockzeile 1 bis 5 vor Abriss

 Bereits geräumt für den in demnächst beginnenden Abriss sind die Wollepark-Blöcke 1 bis 5 an der Stedinger Straße. Die beiden Häuser Am Wollepark 13 und 14, die parallel zur Nordwollestraße stehen, sollen langfristig ebenfalls abgerissen werden und so einem neuen Eingangsbereich zur Parkanlage Platz machen. Gleiches gilt für das Haus Nummer 10. Die Immobilie Am Wollepark 6 bis 9 soll so bestehen bleiben. Die Hausnummern 11 und 12 sollen nach den Planungen aus dem Jahr 2012 teilweise zurückgebaut werden.