Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Projekt für Bedürftige in Delmenhorst Möbelhaus hat seit Februar 2000 Stücke vermittelt

Von Frederik Grabbe | 25.07.2017, 11:17 Uhr

Neue Räume, neues Vergabeverfahren – aber weniger Helfer: Seit dem Umzug des Möbelhauses der Caritas und der Diakonie an die Diepholzer Straße hat sich einiges getan. Helfende Hände sind nach wie vor gesucht.

Viel ist im Möbellager an der Diepholzer Straße dieser Tage nicht los. Einige Mitarbeiter tragen von draußen einige neue Schrankwände hinein und füllen so Schritt für Schritt den Bestand wieder auf. Man wappnet sich gewissermaßen. Denn dass das Möbellager für Bedürftige in Delmenhorst arg benötigt wird, steht außer Frage. Seit Februar 2017 ist die Einrichtung in der Trägerschaft der Caritas und der Diakonie an der Diepholzer Straße zuhause, seitdem wurden bei vier Stunden Öffnungszeit in der Woche etwa 2000 Möbelstücke ausgegeben. Diese Tendenz ließ sich bereits zwei Monate nach der Eröffnung im Dezember 2015, damals noch an der Nordenhamer Straße, ablesen: Ganze Gruppen stürmten häufig nach der Türöffnung ins Lager, um sich die besten Stücke zu reservieren, 600 Einzelstücke wurden nach drei Monaten vermittelt.

Streit um Möbel durch neues Verfahren beseitigt

Im neuen Domizil geht es dieser Tage sehr viel geordneter zu, beschreibt Caritas-Geschäftsführer Peter Schmitz. „Streitereien um Möbel gibt es nicht mehr. Jeder Bedürftige muss eine Nummer ziehen und wird dann von einem ehrenamtlichen Helfer in die Halle begleitet, um sich die Stücke anzusehen. Maximal werden fünf Besucher in die Halle gelassen“, so Schmitz. Waren am früheren Standort ganze Familien dabei, gibt es nun einen mit Getränken ausgestatteten Wartebereich für Angehörige und wartende Interessenten. Auf diese Weise finden 15 bis 35 Menschen pro Öffnungstag neue Einrichtungsgegenstände. „Es hat auch etwas mit Menschenwürde zu tun, wenn man sich in Ruhe ein Möbelstück aussuchen kann“, sagt Schmitz über das neue System in der Einrichtung für Bedürftige.

Helfer weiterhin gesucht

Was sich ebenfalls geändert hat, ist das Aufkommen an Helfern. Rund 20 Helfer zählt das Möbelhaus insgesamt. Zwölf davon sind Ehrenamtliche. „2016 haben mehr Flüchtlinge im Rahmen einer Integrationsmaßnahme und auch mehr Ein-Euro-Jobber bei uns ausgeholfen, dieses Jahr hingegen ist es schwer, an Helfer zu kommen. Woran es liegt, kann ich nicht sagen“, sagt der Caritas-Geschäftsführer. Dabei herrsche ein ständiger Bedarf an Helfern. „Es wäre gut, wenn sich jemand mit Führerschein bei uns melden würde.“ Gebrauchte Möbel gut in Schuss vermittelt das soziale Möbellager der Caritas und der Diakonie an der Diepholzer Straße an Bedürftige. Der Geschäftsführer der Caritas, Peter Schmitz, könnte noch helfende Hände gebrauchen. Foto: Frederik Grabbe

Eine weitere Änderung ist, dass künftig Möbel, die nach sieben Wochen noch immer keinen neuen Besitzer gefunden haben, mithilfe der ADG entsorgt werden. „Alle drei Wochen tauscht sich beinahe der gesamte Bestand einmal aus. Der Bedarf an neuen Möbeln ist hoch. Wir brauchen einfach den Platz“, sagt Schmitz.

Betrugsversuche beim sozialen Möbelhaus

An der Klientel hat sich indes nicht viel geändert. Das Möbellager war ursprünglich als Reaktion auf den Flüchtlingszuzug 2015 gegründet worden, einheimischen Bedürftigen stand das Lager aber ebenfalls offen. „Besonders Bedürftige mit Migrationshintergrund und viele Ältere kommen zu uns“, sagt Schmitz. Dass es seit dem Umzug aber auch einige Fälle von versuchtem Betrug gegeben hat, verschweigt er nicht. „Einmal ist ein Händler mit einem Kleinlaster angerückt und hat sich als Angehöriger von einem Bedürftigen ausgegeben. Den mussten wir vom Hof jagen. Mittlerweile haben wir für solche Fälle aber gute Antennen entwickelt“, erzählt der Caritas-Geschäftsführer, der in der Woche fünf Stunden seiner eigenen Arbeitszeit in das Möbelhaus steckt. Kein Grund aber für die Träger von Caritas und Diakonie, am Projekt zu zweifeln. Schmitz: „Solche Fälle gibt es überall. Mehrheitlich funktioniert unser Konzept ja. Und das ist es, was zählt.“