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Projekt in Delmenhorster Kitas Fine und Finn lehren Gewaltlosigkeit

Von Kai Hasse | 16.10.2017, 18:59 Uhr

Die beiden Fingerpuppen „Fine“ und „Finn“ ziehen nun bald in vielen Kinderkrippen ein. Sie sollen dafür sorgen, dass Kinder schon früh lernen, ihre Aggressionen zu zügeln und stattdessen achtsam mit ihren Mitmenschen umgehen. Das ist Teil des neuen, innovativen Frühförderprogramms „Fäustling“.

Die drei Kompetenzbereiche Achtsamkeit, emotionale und soziale Kompetenz von zwei- bis dreijährigen Kindern sollen in Krippen gefördert werden. Dafür lassen sich nun erstmals in der Stadt Delmenhorst 30 Erzieherinnen aus fünf Kinderkrippen qualifizieren. Sie können damit das Programm „Fäustling“ des Heidelberger Präventionszentrums – bestehend aus 30 Wochenprojekten – selbstständig absolvieren. „Fäustling“ schließt die Lücke zum seit dem Jahr 2001 in Delmenhorst angebotenen „Faustlos“-Bildungsprogramm, das ab dem Kindergarten ansetzt. Zum Einsatz kommen unter anderem die Fingerpuppen namens „Fine“ und „Finn“.

Größte Wirkung im frühen Kindesalter

Die Fortbildung leitet Dr. Andreas Schick, wissenschaftlicher Leiter und (Mit-)Entwickler der beiden Präventionsprogramme. Sie fußen auf der Erkenntnis, dass die Gewaltpräventionskonzepte den größten Wirkungsgrad entfalten, die früh in der Entwicklung von Kindern ansetzen und langfristig angelegt sind. Denn aggressives und gewaltbereites Verhalten resultiere im Wesentlichen aus einem Mangel an sozialen Kompetenzen.

Flächendeckende Versorgung von „Faustlos“

Angelika van Ohlen, ehemalige Geschäftsführerin des Kriminalpräventiven Rates der Stadt Delmenhorst und der dazugehörige Förderverein haben seit 2001 über viele Jahre teils sehr hohe Spenden, unter anderem von drei Lions-Clubs und den Eheleuten Biallas, eingeworben. Damit war die beinahe flächendeckende Versorgung des Sponsorenprogramms „Faustlos“ gelungen. Im Jahr 2009 nahmen beispielsweise 18 Kindergärten, die Heilpädagogische Tagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo), neun Grundschulen und eine Förderschule am Programm teil. Im selben Jahr gingen mit dem Programm außerdem drei Hauptschulen an den Start. Ende 2008 erschien der wissenschaftliche Evaluationsbericht zu „Faustlos“. Das Ergebnis: eine effektive Prävention von aggressivem Verhalten in den teilnehmenden Institutionen. Kindergartenkinder und Grundschulkinder waren empathischer geworden und hatten gelernt, ihre Impulse besser zu kontrollieren. Zahlreiche Kindertagesstätten und Grundschulen nehmen einer Umfrage zufolge auch heute noch Woche für Woche mit den Kindern an dem Programm teil.

Impuls aus der Awo-Kita Ströhen

Der Impuls zum Start von „Fäustling“ kam aus der Awo-Kita Ströhen, die selbst seit rund 16 Jahren beim Programm „Faustlos“ dabei ist. Auch dieses Mal unterstützten der Kriminale Präventionsrat (KPR) und der KPR-Förderverein das Gewaltfrühförderprogramm und ermöglichen damit mit den Anschluss zum Kindergarten-Programm „Faustlos“. Die Awo hatte auch die Auftaktveranstaltung für alle interessierten Krippen organisiert. Die Kosten in Höhe von knapp 4000 Euro übernimmt der Verein zur Förderung der kommunalen Kriminalprävention in Delmenhorst.