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Projekt soll Betroffenen helfen Delmenhorst wird „demenzfreundlich“

Von Heike Bentrup | 08.04.2015, 18:53 Uhr

Vor dem Hintergrund der steigenden Zahl demenzkranker Menschen wird in Delmenhorst ein besonderes Projekt vorbereitet. Laien sollen für den alltäglichen Umgang mit Betroffenen geschult werden.

Für die schwierige Situation, insbesondere allein lebender Menschen mit Demenzerkrankungen sensibilisieren und gleichzeitig über Hilfsangebote aufklären soll das Projekt „Demenzfreundliche Stadt“, das vom Sozialpsychiatrischen Dienst und der Gerontopsychiatrischen Fachgruppe des Sozialpsychiatrischen Verbundes Delmenhorst initiiert worden ist. „Die Idee ist, Laien im alltäglichen Umgang mit Demenzkranken in die Lage zu versetzen, ohne Berührungsängste zu handeln“, erläutert Dr. Iphigenie Brandenbusch, Geschäftsführerin des Sozialpsychiatrischen Verbundes. „Die Bürger sollen sich gemeinsam verantwortlich fühlen, auch der zunehmenden Zahl von Demenzerkrankten gegenüber“, sagt die Fachärztin. Zur Vorbereitung sollten die Experten in Schulungen die Funktion übernehmen und Menschen für den alltäglichen Umgang mit betroffenen Erkrankten schulen.

In einem ersten Schritt ist nach Angaben von Dr. Iphigenie Brandenbusch vorgesehen, die Zusammenarbeit mit ortsansässigen Banken und Sparkassen zum inklusiven Umgang mit Demenz zu stärken. Hierzu soll ein Schulungskonzept erarbeitet. Die Geldinstitute hätten aufgrund von entsprechenden Erfahrungen mit Betroffenen bereits Interesse signalisiert.

„Es kommt mitunter schon vor, dass Menschen nicht mehr in der Lage sind, über ihr Vermögen zu verfügen“, bestätigt Horst Klattenhoff, Leiter Vertriebsmanagement von der Volksbank Delmenhorst Schierbrok. Von daher stufte er das Vorhaben als sinnvoll ein, auch „wenn wir bereits im Vorfeld tätig sind und in Vortragsveranstaltungen mit Juristen regelmäßig auf die Bedeutung von Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen hinweisen“. Nils Raddatz, stellvertretender Direktor Privatkundengeschäft bei der LzO, steht dem geplanten Projekt ebenfalls positiv gegenüber. „Wir sind neuen Dingen gegenüber stets aufgeschlossen“, so Raddatz. Und auch Udo Hinrichs, Direktor der OLB-Filiale an der Bahnhofstraße, stuft entsprechende Vorbereitungen als „generell wichtig und wünschenswert“ ein.

Nach Banken könnten nach Vorstellungen der Initiatoren weitere Branchen wie der Einzelhandel oder auch Polizeidienststellen folgen. „So könnte das Netz immer weiter gespannt werden“, erklärt Brandenbusch.

Langfristiges Ziel sei es, von Demenz Betroffenen in der Stadt möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das setze jedoch die entsprechende Informations- und Schulungsarbeit voraus. Für Angehörige und Pflegekräfte gibt es laut Projektbeschreibung bereits gute Aufklärungsangebote.

Grundlage für die „Demenzfreundliche Stadt“ ist das Programm „Lokale Allianzen für Menschen mit Demenz“, das vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben aufgelegt wurde.