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ProSzenium feiert Premiere in Villa Schroffe Charaktere mit weichem Kern

Von Dirk Hamm | 07.06.2015, 21:26 Uhr

Mit seiner 13. Theaterproduktion hat der Verein ProSzenium in der Villa Premiere gefeiert. In den drei Einaktern von Tschechow liefern sich Mann und Frau höchst vergnügliche Wortduelle.

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen – diese Erkenntnis drängte sich während der Vorstellung des Theatervereins ProSzenium am Freitagabend im Familienzentrum Villa an der Oldenburger Straße geradezu auf. Prachtexemplare beiderlei Geschlechter lieferten sich in den drei Einaktern „Der Heiratsantrag“, „Das Jubiläum“ und „Der Bär“ des russischen Dramatikers Anton Tschechow beherzte Wortgefechte und warfen sich dabei die Unzulänglichkeiten des jeweils anderen Geschlechts mit Inbrunst an den Kopf. „Liebe und andere Unfälle“ ist die 13. Produktion von ProSzenium betitelt, die nach der Premiere und einer weiteren Vorstellung am Samstag noch einmal von Freitag, 12. Juni, bis Sonntag, 14. Juni, in der Villa zu sehen ist.

Rund 100 Zuschauer bescherten dem Verein einen ausverkauften Premierenabend. Das Publikum hatte sein Vergnügen an den drei in sich geschlossenen Geschichten und feierte die Leistung des Ensembles mit einem kräftigen Schlussapplaus. Mit viel Herzblut hatten die Darsteller zuvor den ebenso schroffen wie empfindsam-zerbrechlichen Figuren Leben eingehaucht, Charakteren mit rauer Schale und weichem Kern.

Wortreiche Auseinandersetzung mündet in einem Heiratsantrag

Wie zum Beispiel im dritten Einakter, „Der Bär“. Der Titel bezieht sich auf den sich in misogyner Polemik ergehenden Gutsbesitzer Grigorij Stepanovic Smirnov. Michael Weimann verkörpert den grantelnden Adligen, der finanziell in der Klemme steckt und deshalb einen Kredit zurückfordert, den er dem verstorbenen Mann der Witwe Elena Ivanovna Popova (Tania Buchberger) gewährt hatte. Die hat jedoch kein Verständnis für derlei Probleme, sondern zerfließt in der Trauer um ihren toten Gatten.

Bis zur Herausforderung zum Duell schaukelt sich die wortreiche Auseinandersetzung hoch – und mündet doch in einem Heiratsantrag samt innigem Kuss. „Menschen am Rande des Nervenzusammenbruchs“, so hätte man die gelungene Inszenierung von ProSzenium auch überschreiben können.