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Prozess am Landgericht 18-Jährige in Delmenhorster Wohnung sexuell missbraucht?

Von A. Schnackenburg | 10.10.2016, 18:11 Uhr

Vor dem Landgericht Oldenburg muss sich seit Montag ein 28-Jähriger wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs verantworten.

Fest steht, dass sie Geschlechtsverkehr miteinander hatten. Denn davon zeugt ein DNA-Gutachten. Doch während sich der Angeklagte gar nicht an den Geschlechtsakt erinnern kann oder will, schildert die Nebenklägerin und Geschädigte, wie er sie gegen ihren Willen penetriert habe. Die Staatsanwaltschaft hat den 28-jährigen gebürtigen Bremer aufgrund der fraglichen Nacht im September vorigen Jahres wegen sexuellen Missbrauchs einer Widerstandsunfähigen vor dem Landgericht Oldenburg angeklagt. Seit Montag wird der Fall verhandelt.

18-Jährige hatte viel getrunken

„Widerstandsunfähig“ deswegen, weil die heute 19-jährige offenbar enorm viel getrunken hatte, ehe es zu den mutmaßlichen Übergriffen kam. Gestützt von einer Freundin und dem Angeklagten hatte sie sich am Ende einer ausgiebigen Disko- und Kneipentour in die Delmenhorster Wohnung des ihr weitgehend fremden Mannes begeben. Darüber, was danach geschah, widersprechen die Aussagen der Beteiligten.

Die Geschädigte erinnerte sich vor der großen Strafkammer um die Vorsitzende Richterin Judith Blohm beim Prozessauftakt daran, wie sie im Bett des Angeklagten wach geworden sei, als dieser sie befummelt habe. Sie habe sich gewehrt, sei allerdings „im Halbschlaf“ und nicht bei Kräften gewesen.

Angeklagter spricht von Erinnerungslücken

Der Angeklagte dagegen berichtete von Sex, welchen er mit der Freundin der Geschädigten auf seinem Sofa gehabt habe. Auch wisse er noch, dass er die heute 19-Jährige gefragt habe, ob sie Lust auf einen Dreier habe. Die Zeit danach allerdings falle in seine Erinnerungslücken. Auch er habe viel am betreffenden Abend getrunken.

Richterin glaubt nicht an Gedächtnisschwund

Wie Blohm unmissverständlich klar machte, glaubt sie nicht so recht an den Gedächtnisschwund des Angeklagten. Gleichwohl hat ihre Kammer zum Prozessauftakt denselben Psychiater, welcher ein Gutachten über die Steuerungsfähigkeit der Geschädigten zum Zeitpunkt der Tat erstellen soll, auch mit einem Gutachten über die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten beauftragt. Der 28-Jährige stellte sich am ersten Verhandlungstag als Mann dar, auf den die Frauen stünden. Die Geschädigte passe gar nicht in sein „Beuteschema“.