Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Prozess am Landgericht Delmenhorster Drogendealer droht längere Haftstrafe

Von Marco Julius | 26.10.2017, 10:28 Uhr

Einem Delmenhorster Drogendealer droht jetzt eine lange Haftstrafe.

Einen Angriff auf die Drogenszene hatte die Polizei vergangenen Juni gestartet. Beamte durchsuchten elf Wohnungen in Ganderkesee, Delmenhorst, Wildeshausen, Hude und Westerstede, fanden Ecstasy, Amphetamine, LSD, Kokain und Marihuana. Ein 33-jähriger Delmenhorster, bei dem besonders viel gefunden wurde, kam in Haft (dk berichtete). Am Mittwoch begann gegen ihn der Prozess vor dem Landgericht Oldenburg. Der Mann legte ein Geständnis ab, bestritt keinen Anklagepunkt, zeigte sich reuig, gar erleichtert: Zwei kleine Kinder warten auf ihn, er wolle, sagte er, einen Abschluss finden, ein neues Leben beginnen.

Immer wieder erwischt

Doch davor könnte ein langer Gefängnisaufenthalt stehen. Denn viele der jetzt offengelegten Fakten sprechen für eine hohe Strafe: Die Durchsuchung im Juni nämlich war schon die dritte bei ihm, die Funde wurden immer höher. Im Juni waren es 190 Gramm Speed, 495 Gramm Ecstasy-Pulver, dazu eine Vielzahl anderer Drogen wie Kokain oder Psilocybin-Pilze – „eigentlich alles außer Heroin“, meinte ein Ermittler. Im August 2016 nahmen die Beamten unter anderem 521 Ecstasy-Pillen mit, im Januar 2015 50 Gramm Amphetamine. Der Mann hat drei Jahre aus dem Wohnzimmer an Konsumenten verkauft, gab er zu.

Erschwerend für ihn kommt auch noch unerlaubter Waffenbesitz hinzu: ein Schlagring mit Nieten, ein Einhandmesser, ein Elektroschocker – verbotene Geräte, die bei ihm wie Ausstellungsstücke in der Glasvitrine lagerten. Sechseinhalb Jahre Haft für bewaffnetes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, meinte die Richterin, wäre eine denkbare untere Grenze für das kommende Woche erwartete Urteil.

Stoff auf Kommission gekauft

Der Angeklagte könnte schneller durch sein, wenn das Gericht die Unterbringung in eine Entziehungsanstalt anordnet. Denn verkauft hat er auch, um sich den eigenen hohen Konsum zu finanzieren. Auch über eine das Strafmaß drückende verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten wird das Gericht nachdenken. Warum er nach den Hausdurchsuchungen weiter verkaufte, erklärte er mit Geldproblemen: Den Stoff kaufte er auf Kommission, hatte also Schulden beim Dealer.