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Prozess am Landgericht: Delmenhorster geben „Abzocke“ nur teilweise zu

Von Ole Rosenbohm | 17.10.2018, 19:25 Uhr

Einschüchtern, bedrohen, erpressen – auf „Neudeutsch“ abziehen. In Delmenhorst wurde im November 2017 ein heute 21-Jähriger zweimal innerhalb weniger Tage Opfer einer solchen Tat. Die mutmaßlichen Täter, beide ebenfalls 21 Jahre alt und teilweise geständig, müssen sich seit Mittwoch vor der Jugendkammer des Landgerichts Oldenburg verantworten. Das Opfer sagte bereits aus.

Angeklagt ist auch ein brutaler Überfall in Bremen, an dem neben den beiden 21-Jährigen auch ein heute 17-Jähriger beteiligt gewesen sein soll. Das 40 Jahre alte Opfer soll in den Rücken getreten worden sein und liegend einen Tritt auf den Kopf sowie Faustschläge ins Gesicht bekommen haben. Fotos zeigen ihn entstellt: Wunden über Wunden, ein geschwollenes und blutunterlaufenes Auge, ein abgebrochener Schneidezahn.

Der „Abgezogene“ aus Delmenhorst wirkt ruhig, defensiv und schüchtern, möglicherweise ein ideales Opfer für Täter, die „auf Macker machen wollten“, wie ein Angeklagter zugab. Laut Zeugen hatte ihn sich einer der Angeklagten ohne Provokation, Spruch oder Blick durch das Opfer vorgenommen. Er bedrohte ihn, verpasste ihm mindestens einen Kopfstoß und wollte ihn zwingen, ihn mit dem Auto zu kutschieren.

Opfer bedroht

Dazu kam es nicht, weil der junge Mann sich mutig weigerte und Herumstehende eingriffen. Doch vier Tage danach kam es zu einem weiteren Aufeinandertreffen beim zum Tatzeitpunkt geschlossenen Kiosk „Zur kleinen Graft“ – der Täter diesmal in Begleitung seines vorbestraften Cousins. „Du schuldest uns Geld“, logen sie und drohten mit Kontakten ins mafiöse Milieu.

Die Einschüchterungen wirkten, das Opfer musste zulassen, wie der Angeklagte sein Auto durchsuchte und 70 Euro mitnahm. Mit dem Geld gingen die beiden essen. Er habe Angst gehabt, sagte das Opfer, erstattete aber Anzeige. In wesentlichen Zügen gaben die Angeklagten die Taten zu.

Die Tat in Bremen drei Monate später gegen einen 40-Jährigen dürfte juristisch noch schwerer wiegen. Allerdings sind die Beteiligungen unklar: So behauptet der vorbestrafte Angeklagte, zur Tatzeit abseits gestanden und kaum etwas bemerkt zu haben. Dem widerspricht wohl ein Zeuge, der bei der Polizei ausgesagt haben soll, dass dieser Angeklagte dem Opfer mit Anlauf in den Rücken getreten habe.

Widersprüche in Aussagen

Auch der 17-Jährige will nichts gemacht, nur daneben gestanden haben. Hier gibt es sogar Widerspruch von Angeklagtenseite: Der 17-Jährige habe dem bewusstlosen Opfer Handy, Geld und Dokumente abgenommen, sagte der Hauptangeklagte am Mittwoch aus. Dieser Hauptangeklagte gab die Faustschläge zu, nicht aber die Tritte in Rücken und Gesicht.

Die weitere Beweisaufnahme könnte spannend werden.