Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Prozess eröffnet Hunderttausende in Delmenhorster Autohaus veruntreut

Von Ole Rosenbohm | 20.11.2018, 20:41 Uhr

Eine ehemalige Angestellte eines Delmenhorster Autohauses steht wegen Untreue, Betrug, versuchtem Betrug und Urkundenfälschung vor Gericht. Der Schaden beträgt über 300.000 Euro.

Sie war lediglich Buchhalterin in einem Delmenhorster Autohaus, konnte sich aber eine Palette Extravaganz leisten, wie es nur Reiche können. Schnelle Autos sollen vor vier bis fünf Jahren zu ihrem Leben gehört haben wie Luxusreisen oder Handtaschen edelster Sorte. Das Geld dafür, sagt die Staatsanwaltschaft, veruntreute die Frau aus Lemwerder bei ihrer Firma. Der angenommene Schaden beträgt über 300.000 Euro. Dienstag begann im Oldenburger Landgericht der Strafprozess gegen die heute 40-Jährige. Schuldig gemacht haben soll sie sich wegen Untreue, Betrug, versuchtem Betrug und Urkundenfälschung.

Aus 2,50 Euro 17.000 gemacht

Insgesamt werden der Frau 19 Taten vorgeworfen. 13 Mal soll sie Bargeld aus der Kasse genommen haben. Einmal soll sie sich über 32.000 Euro auf ihr Konto unrechtmäßig überwiesen haben. Weiter soll sie bei einem Überweisungsträger aus 2,50 Euro 17.000 gemacht haben, womit sie ein Auto vom Hof fahren konnte. Sie soll auch ihren Arbeitsvertrag gefälscht haben, um das Finanzamt zu betrügen.

Vater hat altes Auto gegen neues tauschen können

Mitangeklagt in einem Fall ist ihr Vater. Er habe sein Auto mit 12.000 Euro in Zahlung gegeben, heißt es, und dafür einen neues im Wert von 29.000 bekommen. Weiter bezahlt aber wurde nichts, obwohl die Angeklagte den Eingang der Restsumme quittierte. Doch diesmal fiel der Schwindel auf. Es ist möglich, dass das Verfahren gegen den Vater, der den Betrug bestreitet, schon bald mit einer Verfahrenseinstellung gegen Geldbuße endet. Das wurde am ersten Prozesstag deutlich.

Gehaltsabrechnungen gefälscht

Nach ihrer Entlassung soll die Angeklagte noch erfolglos versucht haben, eine Bank zu betrügen: Für einen 10.000-Euro-Kredit fälschte sie laut Anklage ihre Gehaltsabrechnungen so, damit aus denen hervorgeht, dass sie noch immer angestellt ist.

Einschlägig vorbestraft

Für sie steht eine Gefängnisstrafe im Raum. Obwohl der Schaden zum Großteil (auch nach einem Vergleich in einem Zivilverfahren) bereits wieder ausgeglichen sein soll, die Taten lange zurückliegen und sie aktuell arbeitet, verneinte der Staatsanwalt eine positive Sozialprognose zu erkennen. Hintergrund: Die Angeklagte ist einschlägig vorbestraft und soll bereits Hafterfahrung besitzen.

Aktenlastiges Verfahren

Der Sachverhalt ist wie bei vielen Betrugsverfahren kompliziert, die Unterlagen umfangreich. Die Anklageschrift ist 16 Seiten lang. Sieben Verhandlungstage hat die Strafkammer angesetzt. Erstes Ziel sind die Ermittlungen von Schadenssumme und den bereits geleisteten Zahlungen zur Schadenswiedergutmachung durch die Angeklagte.