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Prozess gegen Delmenhorster Betrüger schüchtern Mittäter mit Kreissäge ein

Von Ole Rosenbohm | 14.08.2017, 21:20 Uhr

Zwei Delmenhorster müssen sich vor dem Landgericht Oldenburg unter anderem wegen Telefonbetrugs verantworten. Sie sollen auch einen Mittäter gequält haben.

Die Abgezockten verloren Zehntausende: Viel zu vertrauensselig fallen meist ältere Menschen auf falsche Polizisten herein, die ihnen am Telefon eine Räuberpistole vorgaukeln, nach der ihre Ersparnisse in Gefahr seien. Retten könnten sie das Geld nur, wenn sie es der Polizei übergeben; an – natürlich – falsche Polizisten. Seit Jahren läuft die Masche. Die Hintermänner sollen in der Türkei sitzen, Komplizen in Deutschland organisieren die Übergabe vor Ort.

Nebenkläger war wohl an Taten beteiligt

Zwei Delmenhorster, 27 und 28 Jahre, sollen Teil eines solchen Netzwerks sein. Zurzeit wird ihnen am Landgericht Oldenburg der Prozess gemacht. In fünf Fällen hätten sie mit anderen eine halbe Million Euro erbeutet, wirft ihnen die Anklage vor. Es geht auch um räuberische Erpressung, Körperverletzung und Diebstahl. Opfer ist ein Delmenhorster im Rentenalter – Nebenkläger aber auch wohl an den Taten beteiligt. Weit über zwei Stunden saß der Mann gestern auf dem Zeugenstuhl. Völlig unwissend sei er in die Geschichte geraten, berichtete er. Der 27-Jährige habe ihm erst beim Kauf eines Gebrauchtwagens geholfen und ihn dann überredet, wichtige Papiere von seinem Onkel aus Berlin zu holen. Doch dort wartete kein Onkel, sondern eine ältere Dame, die ihm eine Plastiktüte aushändigte. Den Inhalt, angeblich 23.000 Euro, quittierte er mit falschem Namen. Wie ihm das übers Handy gesagt worden sei.

Mit Kreissäge und Baseballschläger bedroht

Die Tortur begann, als sein Auftraggeber feststellte, dass in der Tüte lediglich 2300 Euro waren – möglich, dass sich die Berlinerin beim Abheben um eine Null vertan hatte. Der 27-Jährige aber sah sich als Betrogener, soll den Nebenkläger mit einem weiteren Komplizen mit dem Tod bedroht, ihn bestohlen und zu Chauffeurdiensten gezwungen haben.Zweimal musste sich das Opfer in einer Art Verhör bis auf die Unterhose ausziehen, während seine Peiniger ihn mit einer Kreissäge und Baseballschläger Angst machten. Er habe geheult und um Gnade gefleht.

Die Verteidigung will ihm die Aussage aber nicht glauben: Warum es ihm nicht komisch vorgekommen sei, das Geld-Paket mit falschem Namen zu quittieren, fragte ihn der Anwalt des 27-Jährigen: „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht.“

28-Jähriger soll aus Haft entlassen werden

Der 28-jährige Angeklagte könnte demnächst aus der U-Haft entlassen werden. Der Nebenkläger sagte aus, ihn nicht in Zusammenhang mit den Bedrohungen und Erpressungen erlebt zu haben. Über den Antrag, ihn aus der Haft zu entlassen, wird das Gericht in den nächsten Tagen entscheiden. Die Staatsanwaltschaft widersprach, sieht im 28-Jährigen weiterhin „einen Teil des Systems“.