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Prozess gegen Delmenhorster Opfer schildert Hintergründe der mutmaßlichen Vergewaltigung

Von Ole Rosenbohm | 30.05.2017, 18:26 Uhr

Schreckliche Szenen werden in der Anklageschrift gegen einen mutmaßlichen Vergewaltiger aus Delmenhorst beschrieben. Vor dem Landgericht in Oldenburg wurde am Dienstag der Prozess gegen den Mann fortgesetzt.

Der 26-Jährige kam um 4 Uhr morgens nach Hause, riss ihr die Kleider vom Leib, schlug sie mit der Faust, biss sie, würgte sie, vergewaltigte sie erst im Badezimmer, dann im Schlafzimmer – derweil das gemeinsame, einjährige Kind im Zimmer nebenan war. Zwischendurch hielt er ihr ein Messer an den Hals und sagte – nicht zum ersten Mal in ihrer Beziehung: „Einer von uns wird heute sterben.“

So in etwa soll sich der Fall im Februar 2015 in einer Delmenhorster Wohnung abgespielt haben, so steht es in der Anklageschrift, und so schilderte es am Dienstag am zweiten Prozesstag vor dem Landgericht Oldenburg das auch als Nebenklägerin auftretende Opfer. (Weiterlesen: Prozessbeginn – Delmenhorster soll Ex-Partnerin vergewaltigt haben) 

Der Angeklagte tätigte bisher noch keine Aussage, dafür war sein Anwalt aktiv. Auch durch ihn zog sich die Befragung der Frau vier Stunden hin – und das war nur der erste Teil. Denn deutlich wurde: Der Angeklagte scheint die Vorwürfe zu bestreiten, und die Nebenklägerin musste sich widersprüchliche Aussagen vorhalten lassen.

Erpressung mit Sexvideos, anschließend Hochzeit

Acht Jahre waren die beiden bis zur Tat zusammen. Aber schon früh sei die gewalttätige, besitzergreifende Ader ihres Ex-Partners zum Vorschein gekommen, sagt die Nebenklägerin. Er hätte sie ständig beleidigt, geschlagen, oft vergewaltigt. 2014 erwirkte sie nach einem Vorfall auf offener Straße eine einstweilige Anordnung aufgrund des Gewaltschutzgesetzes gegen ihn.

Sie ließen trotzdem nicht voneinander los. Weil er sie erpresste, sagte sie: mit Nacktbildern von ihr, mit Videos beim Sex, mit Drohungen, ihre Eltern zu töten. Monate nach der gerichtlichen Anordnung waren beide wieder zusammen, sie schwanger und bald mit ihm im Brautkleid vor einem Priester der syrisch-orthodoxen Kirche.

Letzter Sex vor eineinhalb Wochen? „Er droht mir“

Gerichtlich anerkannt ist diese Heirat nicht, obendrein sei sie erzwungen gewesen, sagte sie. Nach der Geburt zogen beide zusammen. Aber hat dieser Tag im Februar alles geändert? Denn trotz der Vorwürfe, weiterer schwebender Verfahren über das Umgangsrecht des Vaters oder übler Nachrede trafen sich die beiden real oder virtuell wieder und wieder. Das Whatsapp-Chatprotokoll umfasst 400 Seiten – Filmchen und Sprachnachrichten nicht mitgerechnet. Gechattet hatten sie selbst vor und nach dem Prozessauftakt – hauptsächlich tauschten sie Beleidigungen aus. Vor eineinhalb Wochen hätten sie zuletzt Sex gehabt, presste der Rechtsanwalt des Angeklagten zudem aus der Nebenklägerin heraus. Und warum? „Er droht mir.“