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Prozess gegen Telefonbetrüger Anwälte kritisieren Polizei für schlechte Übersetzung

Von Ole Rosenbohm | 21.08.2017, 14:15 Uhr

Im Prozess gegen mutmaßliche Betrüger aus Delmenhorst, die sich als ermittelnde Polizisten ausgegeben hatten, haben die Rechtsanwälte der Angeklagten die Praxis des Gerichts kritisiert. Die Täter haben ihre Opfer um oft mehrere Zehntausend Euro erleichtert.

Bei der Kritik geht es um die sogenannten Selbstleseordner, in denen unter anderem die Protokolle aus den polizeilichen Telefonüberwachungen zu finden sind. Das Gericht will mit der Herausgabe dieser Selbstleseordner an die Prozessparteien das stunden- oder tagelange Vorlesen der aufgezeichneten und abgehörten Telefongespräche verhindern. (Weiterlesen: Betrüger schüchtern Mittäter mit Kreissäge ein)

Qualität der Übersetzung bemängelt

Die Anwälte Arif Kaya und Marco Lund bezweifeln die Qualität der von der Polizei organisierten Übersetzungen. Im Zusammenhang mit den Taten seien neben auf Deutsch geführten Gesprächen auch Telefonate auf Arabisch oder Kurdisch geführt worden. Gerade bei direkter Rede käme es sehr auf die Qualität an, sagte Lund. Die Kammer erwägt nun, einzelne Gespräche durch ein Übersetzungsbüro erneut prüfen zu lassen. Derweil hat es noch keine Entscheidung über eine eventuelle Entlassung eines der beiden Angeklagten aus der Untersuchungshaft gegeben. Erneut hatte der Hauptbelastungszeuge erklärt, den Angeklagten nicht in Zusammenhang mit der Erpressung und Körperverletzung gegen ihn zu erkennen.

Mehr als 500.000 Euro erbeutet

Die 27 und 28 Jahre alten Angeklagten aus Delmenhorst sollen sich gemeinsam mit aus der Türkei agierenden Tätern als Polizeibeamte ausgegeben haben. Um ihr Vermögen zu schützen, sollten es die Opfer an die falschen Polizisten aushändigen. Bei einigen hatten sie Erfolg: Insgesamt geht es laut Anklage um acht Fälle, bei denen die Angeklagten über eine halbe Million Euro erhalten haben sollen. Im vergangenen November wurden sie verhaftet. Insgesamt hat das Gericht bis Dezember 16 Verhandlungstage angesetzt. Die Opfer, von denen eines bereits verstorben ist, sagten bei den bisher drei Verhandlungstagen noch nicht als Zeugen aus.