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Prozess in Delmenhorst Opfer bekam 80 Schläge mit Hammer und Holzbrett

Von Ole Rosenbohm | 23.11.2018, 19:25 Uhr

Der Angeklagte bestritt zum Prozessauftakt die Tat. Wenige Tage vor dem Vorfall waren beide aus einer Wohnung am Wollepark in eine Garage auf dem alten Rangierbahnhof gezogen.

Als sie die Leiche sahen, stockte selbst den Polizisten der Atem. 80 Schläge mit Hammer und Holzbrett auf Beine und Oberkörper hatten die 51 Jahre alte Frau am 3. November 2017 zu Tode gebracht. Gestorben an inneren Verletzungen in einer Garage am alten Rangierbahnhof am Winterweg in Delmenhorst. Eine Behausung mit Feuerstelle, alten Matratzen und herumliegenden Klamotten. Ein Treffpunkt für Obdachlose und Junkies. Dazwischen die Leiche – malträtiert, blutverkrustet, die Hose halb ausgezogen. Daneben eine blutige Zahnprothese. Ein Polizist sagte: „So etwas habe ich noch nicht gesehen.“

Lebensgefährte Angeklagt

Angeklagt wegen Totschlags vor der Großen Strafkammer des Oldenburger Landgerichts ist der ehemalige Lebensgefährte der Verstorbenen. 30 Jahre alt, wie das Opfer mit polnischer Staatsangehörigkeit und obdachlos. Laut Staatsanwaltschaft erschlug er sie aus Eifersucht. Er habe sie getötet, weil sie sexuelle Kontakte mit anderen Männern gehabt haben soll. Der Angeklagte bestreitet die Tat, ließ er über seinen Anwalt Axel Heinken zum Prozessauftakt mitteilen. Weitere Aussagen machte er zunächst nicht.

Angeklagter führte Polizei zum Tatort

Der Angeklagte hatte die Polizei selber auf den Fall aufmerksam gemacht. In den Morgenstunden des 4. November 2017 war der nur bruchstückhaft Deutsch sprechende Mann auf der Polizeiwache an der Marktstraße erschienen, hatte „tot“, „Unfall“ und „Mord“ gerufen und die Beamten dann mit Mimik und Gestik, wie der Beamte als Zeuge berichtete, in den Osten der Stadt zum verlassenen Rangierbahnhof geführt. Angetrunken war er, aber nicht so stark wie ihn Polizisten sonst oft erlebt hatten: 0,82 Promille pustete er morgens um kurz vor 6 Uhr ins Gerät. Für das, was passiert war, sei er relativ gefasst gewesen, sagte der Polizist: „unangemessen ruhig.“ Beim tags zuvor zwischen 18 und 24 Uhr umgekommenen Opfer wurde ein Blutalkoholgehalt von 3,51 Promille gemessen.

Verhaftung erst Monate später

Verhaftet wurde der 30-Jährige erst am 31. Mai, also Monate später. Verhaftet, nicht weil die Spurenlage so eindeutig war – am Hammer etwa fanden sich keine Fingerabdrücke des Angeklagten –, sondern weil ihn ein Dritter beschuldigte, es ihm erzählt zu haben.

Wichtigster Zeuge ist ein Richter

Dieser Dritte Zeuge – wie Opfer und Angeklagter soll er zu einer Gruppe erwerbs- und zum Teil obdachloser Polen gehört haben – könnte entscheidend sein für die Schuldfrage. Dennoch wird er wohl nicht im Gerichtssaal auftreten, steht auf jeden Fall nicht auf der aktuellen Zeugenliste des auf sieben Verhandlungstage anberaumten Prozesses. Denn er wurde bereits richterlich vernommen, weil die Ermittler erwarteten, dass er zum Zeitpunkt des Prozesses möglicherweise nicht mehr greifbar ist. Befragt werden soll jetzt nur der Delmenhorster Richter, der ihn damals hörte.

Kurz zuvor Bewohnerin der Wollepark-Blöcke

Der Fall hat Schlagzeilen gemacht vor einem Jahr. Weil die Tat so brutal war, weil die Umstände im Obdachlosenmilieu so deprimierend elend sind. Aber auch, weil der Angeklagte bis wenige Tage vor der Tat noch eine Wohnung in den Häuserblöcken am Wollepark bewohnte, in der sich auch das Opfer ständig oder zumindest zeitweise aufhielt. Als die Stadt das Gebäude aber räumen ließ, gingen beide offenbar in die Obdachlosigkeit. Und sie wenig später in den Tod.