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Prozess vor Abschluss Urteil gegen Delmenhorster Serieneinbrecher steht kurz bevor

Von Ole Rosenbohm | 10.07.2018, 09:38 Uhr

Oldenburg Kann eine Drogen-Entziehungskur Erfolg haben, wenn bereits sechs verschiedene Maßnahmen gescheitert sind, der Patient jedes Mal wieder rückfällig und erneut zum Einbrecher wurde? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Landgericht Oldenburg im Fall eines 40-jährigen Delmenhorsters, der – kaum aus dem Gefängnis entlassen – eine Einbruchsserie in Delmenhorst und Wehye begangen haben soll.

Zehn der angeklagten Taten hatte der Mann zum Prozessauftakt zugegeben, eine in Ganderkesee bestritt er. Diesen Fall stellte das Gericht nun ein.

Viel mehr als die der Taten stand seine eigene Geschichte am zweiten Prozesstag im Vordergrund. Eine Lebensgeschichte, geprägt von 26 Gerichtsurteilen und gescheiterten Versuchen, im normalen Arbeitsleben einen Platz zu finden.

Erstmals vor dem Richter stand der Angeklagte mit 14. Als er das erste Mal zu Jugendarrest verknackt wurde, war er 19. Warnungen aber verhallten. Der Mann machte weiter mit Diebstählen, finanzierte damit seine Drogensucht. 2002 folgte der erste lange Gefängnisaufenthalt. Danach weitere und immer wieder Entziehungskuren oder Teilnahme an Maßnahmen.

Entziehungskur als Ziel

Jetzt ist eine rund zwei Jahre lange stationäre Entziehungskur das Ziel des Angeklagten. Das Gericht müsste sie anordnen, den Maßregelvollzug ins Urteil integrieren.

Schon einmal absolvierte der Angeklagte eine solche Therapie. Erfolgreich zunächst, dann wurde eine der vielen Bewährungsstrafen aus früheren Tagen widerrufen und im (offenen) Vollzug der Mann wieder rückfällig. Ähnlich lief auch die jüngere Vergangenheit ab: Haftentlassung nach zwei Jahren im Mai 2017, draußen dann der schleichende Przess in die erneute Abhängigkeit: Aus einer gelegentlichen Nase Kokain wurde eine regelmäßige Indikation mittels Spritze. Seine Arbeit, der er durchaus zielstrebig nachgegangen sein soll, überstand er nur noch mit immer mehr Koks. Finanziert mit den Einbrüchen in Delmenhorst und Wehye.

Drogensucht als Ausgangspunkt

Der im Prozess aufgetretene Gutachter sieht einen Teil der gesetzlichen Voraussetzungen für eine Therapie nach Paragraf 64 des Strafgesetzbuchs als erfüllt an: Die Taten gehen auf die Drogensucht des Angeklagten zurück. Für den zweiten Teil im Gesetz – die Anordnung soll nur bei hinreichend konkreter Erfolgsaussicht erteilt werden – aber seien die Voraussetzungen unklar.

Am Dienstag, 24. Juli, wird das Gericht nach den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit seinem Urteil auch die oben gestellte Frage beantworten. Den Angeklagten erwarten eine mehrjährige Haftstrafe oder eine deutlich kürzere mit anschließender Therapie im Maßregelvollzug.