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Prozess vor Landgericht 36-jähriger Delmenhorster überfallen und niedergestochen

Von Alexander Schnackenburg | 28.10.2015, 15:14 Uhr

Schwere Anschuldigungen eines 36-jährigen Delmenhorsters vor dem Landgericht Oldenburg: Zwei maskierte Angreifer sollen ihn im November 2012 in seiner Wohnung überfallen, mit dem Messer bedroht, geschlagen und getreten haben. Einer der Angreifer habe ihm überdies, als er in den Hausflur habe fliehen wollen, mit dem Messer in die Schulter gestochen. Schließlich hätten die Räuber eine Geldkassette entwendet – allerdings eine leere. Am Mittwoch verhandelt das Landgericht den Fall.

Auf der Anklagebank sitzen zwei Männer aus dem Landkreis Diepholz, der eine 40 Jahre, der andere 29 Jahre alt. Auf Anraten ihrer Verteidiger äußerten sie sich zu Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen.

Wohl aber der Geschädigte. Wie der stark sehbehinderte Mann dem Gericht erklärte, könne er zwar „nicht mit hundertprozentiger Sicherheit“ sagen, dass es sich bei den beiden Angeklagten um die Täter handele. Er sei sich aber im Nachhinein aufgrund verschiedener Indizien ziemlich sicher, dass nur die beiden Angeklagten für die Tat in Frage kämen – weil der Überfall „Insider-Wissen“ erfordert habe.

Betrunken und mit verstelltem Akzent

Es handle sich um zwei ehemalige Kumpel von ihm, die seine Wohnung gekannt hätten, und mehrfach bei ihm gewesen seien. Vor allem aber habe ihn der jüngere der Angeklagten wenige Stunden vor dem Überfall, anscheinend schwer betrunken, angerufen und sich versichert, dass er allein zu Hause sei. Auch während des Überfalls, so der Geschädigte weiter, habe er eine starke Alkohol-Fahne gerochen. Zudem seien ihm die Stimmen der Angreifer vertraut vorgekommen, wenn diese auch versucht hätten, sich zu verstellen und noch dazu mit einem osteuropäischen Akzent gesprochen hätten, allerdings „überhaupt nicht glaubwürdig“. „Ich als Sehbehinderter höre mehr als andere“, so der Delmenhorster.

Opfer erklärt Widerspruch

Der Vorsitzende Richter, Horst Kießler, wandte hierzu ein, dass der Zeuge bei ersten Vernehmungen durch die Polizei noch keinen Tatverdacht formuliert, gar „definitiv“ ausgeschlossen habe, dass es sich bei den Tätern um Bekannte handeln könne. Der Geschädigte erklärte diesen Widerspruch zwischen seinen ersten und späteren Aussagen damit, dass er sich zunächst habe sammeln müssen. Auch sei ihm manches Detail erst im Nachhinein, nach reiflichen Überlegungen aufgegangen.

Das Landgericht Oldenburg setzt die Verhandlung am kommenden Donnerstag, 5. November, fort.