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Prozess vor Landgericht Oldenburg Aussage gegen Aussage zu Überfällen in Delmenhorst

Von Dirk Hamm | 20.04.2018, 19:35 Uhr

Vor dem Landgericht Oldenburg hat am Freitag der Prozess gegen vier junge Männer aus Delmenhorst, Ganderkesee und Bremen begonnen, die im Oktober 2017 versucht haben sollen, in Delmenhorst die Spielothek Crown und das Restaurant El Mariachi zu überfallen.

Der Gruppe im Alter von 19 bis 30 Jahren wird zudem ein besonders schwerer Raub vorgeworfen, da die Angestellte des Casinos kurz nach dem Fehlschlag des Überfalls vor dem Gebäude ausgeraubt wurde.

Nach dem ersten Verhandlungstag sind zentrale Fragen des Tathergangs und der Motive noch ungeklärt. Zwar haben alle vier Angeklagten, von denen zwei in Untersuchungshaft sitzen, die Beteiligung an den Taten eingeräumt.

Aussagen weichen voneinander ab

Keiner der Beschuldigten wollte jedoch die Verantwortung übernehmen, zu den räuberischen Erpressungen angestiftet oder sie geplant zu haben. Teilweise stand Aussage gegen Aussage, jeweils andere Beteiligte sollen treibende Kraft der Taten gewesen sein.

Der jüngste der Angeklagten, ein 19-jähriger Abiturient aus Ganderkesee, sagte aus, auf Druck der anderen drei Täter, die die Aufgaben des Fahrers und des Auskundschaftens der Zielobjekte übernahmen, die Angestellte der Spielothek mit einer Schreckschusspistole bedroht zu haben.

Heranwachsender bereut Tatbeteiligung

Er riss das Opfer zu Boden und entriss ihm die Handtasche, in der die Tageseinnahmen vermutet wurden. Die Frau erlitt dabei leichte Verletzungen am Arm.

Von der Absicht eines Überfalls an dem Abend habe er erst während der Fahrt zum Casino erfahren. „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, dass ich einen so großen Fehler begangen habe“, sagte der Heranwachsende. Laut dem Vorsitzenden Richter der Strafkammer wird erst gegen Ende des Verfahrens entschieden, ob bei ihm das Jugendstrafrecht angewendet wird.

Angeblich aus Angst gehandelt

Der 19-Jährige beteuerte, „erleichtert“ gewesen zu sein, als der erste Überfallversuch wegen der unmittelbar zuvor abgeschlossenen Tür der Spielothek gescheitert war. Die weiteren Taten habe er aus Angst vor angedrohten Konsequenzen seitens der Mitangeklagten begangen.

Prozess am 2. Mai fortgesetzt

Deren Einlassungen liefen hingegen darauf hinaus, dass der 19-Jährige alleine oder zusammen mit dem 30-jährigen Bremer die restliche Gruppe zu den Taten überredet hat, um an Geld heranzukommen. Letzterer sagte aus, die Überfälle seien relativ spontan und im Gefühl einer vermeintlich „coolen Gangstersache“ begangen worden.

Im weiteren Verlauf des Prozesses, der am Mittwoch, 2. Mai, fortgesetzt wird, ist unter anderem zu klären, ob der Heranwachsende die Angestellte der Spielothek aus eigenem Antrieb überfallen hat und ob die Schreckschusspistole geladen war.