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Prozess wegen Gewalt im Bett Delmenhorster soll Ehefrau zum Sex gezwungen haben

Von Kai Hasse | 13.09.2017, 18:19 Uhr

Ein 41-jähriger Mann soll seine Frau mit Gewalt zum Sex gezwungen haben. So lautet eine Anklage vor dem Amtsgericht Er hingegen bestreitet die Tat.

Weil er seine Frau in der gemeinsamen Wohnung mit Gewalt zum Sex gezwungen haben soll, steht nun ein 41-jähriger in Delmenhorst lebender Syrer vor dem Amtsgericht. Er bestreitet die Anklage der sexuellen Nötigung. Allerdings habe es Streit gegeben um das Geld, das er haben wollte, um sich als Flüchtling einen Führerschein zu beschaffen.

Lautes Schreien im Schlafzimmer

Konkret soll der Mann in einer Januar-Nacht des laufenden Jahres nachts nach Hause gekommen sein, soll seiner Frau gesagt haben, dass er Sex wolle. Als sie erklärte, dass sie keine Lust habe, soll er sie gegen ihren Willen ausgezogen und dann mit ihr geschlafen haben, während sie laut schrie und protestierte. Dabei habe er sie an den Handgelenken festgehalten. Anschließend soll er sie außerdem ins Gesicht geschlagen haben. Das sei allerdings eine Lüge, sagte er vor Gericht. Seine Schilderung ist, dass er an dem Abend nach Geld gefragt hatte, das er brauche, um seine Führerscheinprüfung zu bezahlen. Er wolle seine Kinder zur Schule fahren können, um ihnen das Leben zu erleichtern.

Geldnot wegen Flucht aus Syrien

Vorausgegangen sei Geldnot wegen der Flucht aus Syrien. 2500 Euro habe sich die Familie vom Bruder seiner Frau leihen müssen, um aus dem umkämpften Gebiet fliehen zu können. Dadurch habe er sich in der Rolle des Bittstellers gegenüber seinem Schwager und seiner Frau gesehen, weil er Schulden abzahlen musste und die beiden das Geld verwaltet hätten. Die Schulden seien dann aber abbezahlt gewesen, nun habe er Geld verlangt – das sie ihm verweigerte. Deshalb habe man sich laut gestritten, mehr nicht. Die Verletzung im Gesicht habe sie, weil sie im Badezimmer ausgerutscht sei.

Vorwurf: Es war nicht das erste Mal

Dem hielt sie wieder entgegen, dass das Fluchtgeld stattdessen aus dem Verkauf ihrer Olivenöl-Wirtschaft stamme. Sie und ihr Bruder im Zeugenstand charakterisierten den Mann als jemanden, der nicht mit Geld umgehen könne. Und: Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass er gegen ihren Willen mit ihr Sex gehabt habe. „In Syrien haben Frauen keine Rechte“, sagte der Bruder der Frau im Gericht. Deshalb sei man froh, nun in Deutschland zu sein, wo man sich rechtlich wehren könne. „In Deutschland möchte sie reden“, sagte er.

Keine typischen Verletzungen

Einzelne Punkte der polizeilichen Untersuchung standen der Schilderung der Frau entgegen: Laut Protokoll hatte sie gesagt, dass ein solcher Fall bisher nicht vorgekommen sei. Ihre Handgelenke „erscheinen unauffällig“, hieß es zudem dort. Und man habe „keine delikttypischen Verletzungen festgestellt.“ Eine Polizistin, die den Fall aufgenommen hatte, berichtete, dass es der Frau sichtlich unangenehm gewesen war, über den Fall zu reden, was sie sich mit kulturellen Unterschieden im Umgang mit Sexualität erklärt habe. Der Prozess wird fortgesetzt.