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Prozessauftakt in Oldenburg Huder soll in Delmenhorst eine Million Steuern hinterzogen haben

Von Ole Rosenbohm | 16.05.2017, 12:04 Uhr

Bei über einer Million Euro hinterzogener Steuern gibt es nur noch wenige Möglichkeiten, eine Gefängnisstrafe ohne Bewährung abzuwenden. Die droht nun einem 50-jährigen Huder, der mit seiner Delmenhorster Einzelfirma bis 2013 über zweieinhalb Jahre lang in 27 Fällen Steuern hinterzogen haben soll.

Siebenmal davon in „großem Ausmaß“, in diesen Fällen geht es um jeweils über 50.000 Euro hinterzogenen Steuern. Der Schaden für die Finanzbehörden hätte sich auf über 1,1 Millionen Euro summiert, führte der Staatsanwalt gestern zu Prozessbeginn vor dem Landgericht Oldenburg aus.

Die Firma des 50-Jährigen verkaufte unter anderem Paletten und Gitterboxen. Immer wieder soll er Paletten „schwarz“ eingekauft und sich gegen Entgelt von einer anderen Firma Rechnungen für diese Einkäufe ausgestellt haben. Diese Scheinrechnungen sollen dann bei der monatlichen Steuererklärung als Betriebsausgaben und vermeintlich berechtigte Vorsteuerbeträge deklariert worden sein.

„Erschreckend aber nicht realistisch“

Möglich, dass die letztendliche Summe der hinterzogenen Steuern noch ins Sechsstellige fällt. Denn die Rechtsanwälte des Angeklagten, die Delmenhorster Verteidiger Kai-Uwe Lindenbauer und Axel Heinken, erklärten, dass die Zahlen zwar „erschreckend aber nicht realistisch“ seien. So seien die Einkaufspreise für die schwarz angekauften Paletten nicht berücksichtigt.

Erfolgreich erstritten sie ein Sachverständigen-Gutachten, das bestätigen soll, dass Europaletten „mindestens vier bis fünf Euro auf dem Schwarzmarkt“ kosten. Ein erster Schachzug in einem komplizierten Verfahren.

Neun Prozesstermine für komplizierten Fall

Der Fall ist so umfangreich, dass das Gericht den Prozessbeteiligten sogenannte „Selbstleseordner“ mit Kopien aller Steuerbescheide und anderen Unterlagen zur Verfügung stellt, um nicht tagelang mit dem Verlesen der Beweisstücke zu verbrauchen. Weitere neun Termine sind angesetzt. Erst am 20. Juni soll ein Urteil gesprochen werden.