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Prozessauftakt in Oldenburg Vier Delmenhorster wegen besonders schwerer Erpressung vor Gericht

Von Ole Rosenbohm | 13.12.2016, 20:02 Uhr

Vier Delmenhorster stehen wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung vor dem Landgericht Oldenburg. Beim Prozessauftakt fehlte der Haupttäter, die vielleicht wichtigste Zeugin wird nun von der Polizei gesucht.

Richter Dirk Reuter war am Dienstag zum Prozessauftakt vor der großen Jugendkammer am Oldenburger Landgericht gegen vier Delmenhorster wegen besonders schwerer gemeinschaftlicher Erpressung gleich mehrfach überrascht. Nicht nur, dass sich Angeklagte und Opfer widersprachen und die Abläufe der offenbar im Rausch begangenen Tat nur noch verschwommen zu rekonstruieren sind. Plötzlich war auch noch von einer Pistole die Rede, die in keiner Akte erwähnt worden war. Dazu war der 27-jährige Hauptangeklagte gar nicht erst erschienen. Und von der Existenz der möglicherweise wichtigsten Zeugin erfuhr Reuter auch erst am Dienstag.

Geschlagen, getreten und mit Elektroschocker bedroht

Die drei weiteren Angeklagten sind 21 und zweimal 20 Jahre alt. Im August 2015 hatten sie sich mit etwa zehn Leuten in der Wohnung des 21-Jährigen mit Whisky und Wodka betrunken. Irgendwann im Laufe der Feier wollen die Täter den Diebstahl von einem Konsolenspiel und einer Videokamera beobachtet haben, die ein 21- und ein 19-Jähriger gestohlen haben sollen. Ihnen sollen die mutmaßlichen Täter den Diebstahl unterstellt und sie über Stunden festgehalten haben. Dabei soll der Ältere geschlagen und getreten sowie mit einem Elektroschocker und eventuell mit der Schreckschusspistole bedroht worden sein. Beide Opfer, so die Anklage, mussten letztendlich ein „Schuldeingeständnis“ unterschreiben und sich verpflichten, 270 Euro als Strafe zu zahlen.

Gegen den Haupttäter wird in mehreren Verfahren ermittelt

Der mutmaßliche, zurzeit flüchtige Haupttäter war wohl der 27-Jährige – obgleich dieser durch den vermeintlichen Diebstahl gar nicht geschädigt war. Mehrere Verfahren sind zurzeit gegen ihn anhängig, beschrieben wurde er am Dienstag als brutal und cholerisch. Mit seinem Messer soll er damals den 21-Jährigen gedroht haben, einen Finger oder gleich die ganze Hand abzuschneiden.

Noch unbekannte Zeugin könnte Licht ins Dunkel bringen

Herausfinden will die Jugendkammer, inwieweit die drei Mitangeklagten beteiligt waren. Zwei, die sich äußerten, stritten ab, geschlagen, getreten oder gedroht zu haben. Der Dritte schwieg. Die Opfer behaupten das Gegenteil. Helfen könnte eine junge Augenzeugin, die zu keiner der beiden Gruppen gehört. Richter Reuter hörte am Dienstag das erste Mal von ihr: „Die einzig neutrale Zeugin“, sagte er. „Die müssen wir haben.“ Jetzt sucht die Polizei nach ihr.