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Putsch in der Türkei Delmenhorster Politiker schockiert über Putschversuch

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 16.07.2016, 21:00 Uhr

Die türkischstämmigen Ratspolitiker aus Delmenhorst zeigen sich schockiert über die Ereignisse in der Türkei. Murat Kalmis (FDP) ist derzeit in Antalya.

Der Putschversuch in der Türkei hat auch die örtlichen Politiker mit türkischen Wurzeln stark bewegt. FDP-Fraktionschef Murat Kalmis ist derzeit in der Türkei. Er war am Donnerstag nach Antalya gereist, um dort das für Samstag geplante Benefizspiel anlässlich des zehnten Geburtstags der Antalya Arena unter der Schirmherrschaft des kamerunischen Nationalspielers Samuel Eto’o zu besuchen. Bisher war er für eine ausführliche Stellungnahme für das dk noch nicht zu erreichen. Seine Ratskollegen Tamer Sert und Ibrahim Tuner verfolgen die Ereignisse aus Delmenhorst und stehen in engem Kontakt mit ihren Angehörigen und Freunden in der Türkei.

Sert (FDP): Schlimmer als Krieg mit einem anderen Land

„Ich wünsche keinem Land einen Putsch in dieser Form. Das ist schlimmer als ein Krieg mit einem anderen Land“, sagt der FDP-Kreisvorsitzende Tamer Sert. „Ich habe noch keine Sekunde geschlafen“, berichtet er im Gespräch mit dem dk am Samstagmittag. Er macht die Gülen-Bewegung in der Türkei für den Putsch verantwortlich und bezeichnet diese als Terrororganisation: „Ich habe immer vor dieser Terror-Bewegung gewarnt. Das ist das Schlimmste, was einem Land passieren kann.“ (Weiterlesen: Was ist die Gülen-Bewegung?) Es war seiner Meinung nach zu erwarten, dass die Bewegung aktiv wird. „Diese Größenordnung habe ich aber nicht erwartet.“ Er selbst hat die ganze Nacht über per Internet und Telefon Kontakt in die Türkei gehalten. „Ich war einer der Ersten, der die Menschen auf die Straße gerufen hat“, sagt Sert.

Sert hofft auf schnelle Beruhigung der Lage

Er warnt vor der Gülen-Bewegung. Sie sei überall aktiv, selbst in Delmenhorst. „Ich bekomme ständig Drohungen von denen“, sagt Sert. Er denkt, dass sich die Lage in der Türkei innerhalb weniger Tage beruhigen werde. Die Aufarbeitung werde allerdings lange Zeit in Anspruch nehmen. „Es sind ja nicht nur ein paar Menschen, es sind Tausende“, erklärt Sert. „Gegen solche Organisationen gibt es nur eins: Zusammenhalt“, sagt der FDP-Politiker und meint damit nicht nur die Türkei.

Tuner: Sieger ist das Volk

„Es gibt bei diesem Ereignis einen Sieger und zwei Verlierer“, sagt SPD-Ratsherr Ibrahim Tuner. Der Sieger sei das türkische Volk. „Es ist ein trauriger Tag, aber ich bin stolz auf die Bürger, dass sie sich vor das Militär, vor gezogene Waffen gestellt haben.“ Ein Verlierer ist für ihn das Militär. „Dafür, dass sie Befehle befolgt haben, werden viele unschuldige Soldaten lange leiden“, meint Tuner. Der zweite Verlierer sei Erdogan-Widersachers Fethullah Gülen: „Er wird viele Sympathien bei seinen Anhängern verlieren.“ Auch er habe in der Nacht kaum geschlafen. „Zum Glück geht es all meinen Angehörigen gut“, berichtet Tuner. Er denkt nicht, dass die Aufarbeitung des Putsches lange dauern wird, die Prozesse für die Beteiligten allerdings schon. „Ich hoffe, dass jetzt ruhigere Tage vor uns liegen“, sagt Tuner.

Weiterlesen: Alles zum Putschversuch in der Türkei in unserem Liveticker