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Kolumne Quergedacht. Bambusbjörn und der BER

Eine Kolumne von Marco Julius | 07.08.2019, 11:23 Uhr

In der neuen Folge unserer hyggeligen Kolumne geht es um Flygskam und andere schöne Wörter aus Skandinavien.

Bambusbjörn – so nennt man in Island nicht etwa einen Blumenverkäufer auf dem Fischmarkt, nein: Bambusbjörn ist das isländische Wort für einen Pandabären. Überhaupt liefern skandinavische Sprachen viele wunderbare Wörter. Erinnert sei nur an das dänische „hyygelig“, das für schön und gemütlich steht. Dass Kullen, jener schwedische Name eines Nachtschranks von Ikea, übersetzt in etwa „Wenn man alle drei Schublade gleichzeitig öffnet, dann fällt die Kommode um“ heißt, ist allerdings eine pure Erfindung zum Nachteil des Möbelriesen. Wahr wiederum ist es, dass die Finnen mit dem nützlichen Wort „Kalsarikännit“ einen Begiff haben, der aussagt, dass man sich in seinem Heim, bekleidet nur in Unterhosen, betrinkt, ganz ohne die Absicht, anschließend noch auf die Piste zu gehen. Alter Schwede! Respektive Finne! Eine feine Idee.

Flygskam neu im Wörterbuch

Ein noch ganz junges Wort aus Schweden macht nun auch hierzulande Karriere: Flygskam. Zu deutsch: Flugscham. Wer auf Kosten des Klimas jegliche Gewalt über seinen ökologischen Fußabdruck verloren hat, der schämt sich heutzutage, in ein Flugzeug zu steigen. Es ist ihm schlichtweg peinlich, dass er mit seinem Flug den Klimawandel verstärkt. Früher, als es das Wort Flugscham noch nicht gab, hat man sich beim Fliegen auch schon geschämt. Meist für die Fluggäste, die das schöne Wort „Kalsarikännit“ nicht kannten und die sich einfach in aller Öffentlichkeit dem Alkohol hingegeben haben, um dann betrunken, schlecht gekleidet und lärmend in den Ferienflieger zu steigen.

BER setzt Rost an

Nun findet sich also die ökologische Flugscham in den Wörterbüchern, in guter Nachbarschaft zum Flugrost und zur Flugangst. Womit man fast beim BER gelandet wäre, jenem Großflughafen Berlin-Brandenburg, für dessen Nichtfertigstellung sich so mancher schämen sollte. Der BER setzt längst Flugrost an. An Flugangst muss dort allerdings noch niemand leiden. Und dem Klima schadet er auch noch nicht.