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Kolumne Quergedacht: Einfach drauf pfeifen

Von Marco Julius | 16.10.2019, 11:23 Uhr

In der neuen Folge unserer stets harmonischen Kolumne "Quergedacht" geht es ums Pfeifen, um Pfeifen und um den Mauerfall.

Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung, sagt der Volksmund. Nun ist nicht alles, was aus dem Munde des Volkes kommt, per se gut. Aber in diesem Fall wollen wir mal das Positive sehen. Klaus Meine, Sänger der Gruppe Scorpions aus der Welthauptstadt des Rock ,n’ Roll Hannover, hat just 30 Jahre nach dem Mauerfall folgende Erkenntnis gewonnen: Er habe, so spricht er in seinem typischen Singsang, das Lied „Wind of Change“ 1989 am offenen Fenster geschrieben. Erst sei das berühmte Pfeifen da gewesen, dann der Text. Und mit seinem sich immer wiederholenden Pfeifen habe er damals seine Nachbarn doch sehr genervt. So weit, so gut. Eine treffende Selbsterkenntnis. Aber warum beschränkt sich Meines Klaus in seiner nachgereichten Entschuldigung auf die Nachbarn? Mit seinem Gepfeife hat er doch per Ohrwurm einen deutlich größeren Kreis genervt. Noch heute fräst er sich damit in unsere Gehörgänge.

Und dann noch "The Hoff"

Nicht genug, dass wir den Mauerfall stets mit David Hasselhoffs „Looking for Freedom“, einem musikalischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, verbinden, obwohl der singende Schauspieler heute vortäuscht, gar nicht für den Fall der Mauer verantwortlich gewesen zu sein? Der Meine und „The Hoff“ – anderseits muss man aber wohl froh sein, dass nicht die neue Generation um Marc Forster oder – schlimmer gar – Tim Bendzko den eisernen Vorhang kaputt gesungen hat. Das pfeife ich, Donald Trump zitierend, in meiner großen und unvergleichlichen Weisheit von den Dächern.