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Kolumne Quergedacht: Noch alle Nadeln an der Tanne?

Von Marco Julius | 11.12.2019, 10:23 Uhr

In der neuen Folge unserer stets nach Höhepunkten strebenden Kolumne "Quergedacht" geht es diesmal um Weihnachtsbäume, den Welt-Orgasmus-Tag und Löcher im Nadelkleid.

Im Leben ist es nie genug, niemals stellt sich das gerüttelt Maß an Gelassenheit ein, das es bräuchte, sich einfach mal zurückzulehnen und den Stand der Dinge ganz bedingungslos supidupi zu finden. Irgendwas ist schließlich immer. Wer noch alle Nadeln an der Tanne hat, der weiß das. Womit wir schon beim nächsten Übel wären. Ein Christbaum muss her. Ein Tannenbaum soll es sein, kein Pannenbaum. Einer ohne Löcher im Nadelkleid, eine Spitze soll er haben, die Blätter grün und treu und fein gewachsen. Denn sind die Äste geknickt, ist es auch der Betrachter.

Doch eines ist sicher, so sicher wie der Fakt, dass das einzige Wort der deutschen Sprache mit drei tz Atzventzkrantz ist: Am Ende hat der Baum doch ’ne Macke. Geht es gerade noch so gut, ist nur eine Seite schäbig, die lässt sich dann so an die Wohnzimmerwand drehen, dass sie fast nicht auffällt. Oder es fehlen, Modell Waldsterben oder Brandrodung, ganze Äste, dann werden flugs kleine Löcher in den Stamm gebohrt, damit sich „Fremdzweige“ in den selbigen stecken lassen. Ein bisschen Schummelei ist um des lieben Friedens Willen erlaubt. Den Rest muss man sich schön saufen. Geht an Weihnachten ganz gut, ich habe es für Sie ausprobiert. Ja, das Kleid des Tannenbaums, es will uns was lehren. Es muss nicht immer alles perfekt sein, nicht monumental, weltbewegend, life changing. Jagen wir also auch beim Baum nicht stöhnend dem hehren Anspruch hinterher, dass am Ende des Tages alles total geil sein muss. Die Latte muss nicht so hoch liegen. Das gilt fürs Fest der Liebe genauso wie für den immergrünen Welt-Orgasmus-Tag, der bereits drei Tage vor Heiligabend – nun ja – kommt.