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Räumung in Delmenhorst ab 1. November Problemhäuser im Wollepark werden am Mittwoch verriegelt

Von dpa | 29.10.2017, 12:19 Uhr

Monatelang harrten Mieter in Delmenhorst in heruntergekommenen Häusern ohne Wasser und Gas aus. Nun hat die Stadt die Gebäude für unbewohnbar erklärt. Die Eigentümergesellschaft will die Häuser nicht aufgeben und hat eigene Pläne. Streit gibt es weiter ums Geld.

Die beiden Hochhäuser ohne Wasser und Gas im Delmenhorster Brennpunktviertel Wollepark dürfen vom kommenden Mittwoch (1. November) an nicht mehr bewohnt werden. „Es gibt eine Räumungsverfügung, die zum 1. des kommenden Monats greift“, sagte Stadtsprecher Timo Frers. Die Stadt werde den Leerstand kontrollieren. Der Verwalter der Eigentümergesellschaft, Matthias Volkmer, sagte, das Haus werde abgeschlossen.

Die Stadt geht davon aus, dass inzwischen niemand mehr in den Gebäuden lebt. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise darauf, dass eine Räumung notwendig sein wird“, sagte der Stadtsprecher.

Keine angemessenen Lebensverhältnisse

Die Lage der Menschen in den beiden Blocks mit insgesamt 80 Wohnungen hatte in den vergangenen Monaten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Wegen nicht bezahlter Rechnungen hatten die Stadtwerke den Bewohnern Ende April das Gas abgedreht. Mitte Mai folgte eine Wassersperre. Seitdem harrten die überwiegend ausländischen Mieter ohne fließendes Wasser und funktionierende Heizung in ihren Wohnungen aus. Mit der Zeit zogen immer mehr der ursprünglich rund 350 gemeldeten Frauen, Männer und Kinder aus.

Im September hatte die Stadt die Mieter darauf hingewiesen, dass die Häuser wegen schwerer Mängel für unbewohnbar erklärt werden. Die verantwortlichen Wohnungseigentümer seien offensichtlich nicht in der Lage, für angemessene Wohn- und Lebensverhältnisse in den Gebäuden zu sorgen. Eine Reaktion der Bewohner auf die Ankündigung habe es nicht gegeben, berichtete der Stadtsprecher. (Weiterlesen: Stadt informiert im Wollepark über geplante Räumung) 

„Eigentum verpflichtet“

Die Eigentümergesellschaft will die heruntergekommenen Gebäude sanieren und sie dafür zunächst leer stehen lassen. „Wir werden uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, um das Objekt wieder in Ordnung zu bringen“, sagte Volkmer, der nach eigenen Angaben die Mehrheit der rund 50 Eigentümer hinter sich hat. Derzeit sei er mit der Buchhaltung beschäftigt, um herauszufinden, welcher Eigentümer Rechnungen für Wasser und Gas nicht bezahlt habe. Nach Angaben der Stadtwerke-Sprecherin Britta Fengler belaufen sich die Schulden derzeit auf rund 110 000 Euro.

Seit 2015 habe es keine ordentliche Buchhaltung gegeben, sagte Volkmer, der selbst Eigentümer einer Wollepark-Wohnung ist und Mitte September als Verwalter gewählt wurde. „Eigentum verpflichtet“, sagte er und verwies darauf, dass er zur Not gerichtlich dafür sorgen werde, dass Betroffene ihre Schulden begleichen.

Stadt will Abriss, Eigentümer wollen Sanierung

Einen Abriss, wie sie die Stadt ins Spiel gebracht hat, will Volkmer verhindern. Er sei zuversichtlich, dass es möglich sein wird, die beiden Häuser wieder instand zu setzen. „Da gibt es eine Menge zu tun. Die Kostenanfragen laufen.“

Rechnungen für eine von der Stadt beauftragte Brandwache will die Eigentümergesellschaft nicht übernehmen. „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen.“ Seit Anfang Juli werden die beiden Häuser im Auftrag der Stadt rund um die Uhr bewacht - wegen Brandgefahr.

Gerichtsstreit droht

Zudem beauftragte die Stadt eine Firma, die Sperrmüll aus den Treppenhäusern holte. Die Kosten würden den Eigentümern in Rechnung gestellt, sagte Frers.

Die Brandwache kostet nach Angaben der Stadt pro Woche rund 10 000 Euro - bis Ende Oktober sind damit Ausgaben von mehr als 170 000 Euro zusammengekommen. Verwalter Volkmer hält die Höhe der Kosten für völlig überzogen. „Ich werde notfalls gerichtlich klären, ob das so notwendig war oder ob es noch andere Möglichkeiten gab.“

 Weiterlesen: Wie geht es weiter im Wollepark