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Ratsherr verkündet Rücktritt Werner Lindemann verlässt Delmenhorster Rat

Von Jan Eric Fiedler | 08.12.2015, 14:38 Uhr

Werner Lindemann verlässt den Stadtrat. Dies hat er am Dienstagmittag in einer Mitteilung bekannt gegeben. Damit wird es auch nicht zu der am Montag verkündeten Fraktion mit dem ebenfalls vorbestraften Henning Suhrkamp kommen.

„Ich habe mich da in den letzten Wochen seit dem Prozess persönlich in etwas verrannt und werde das nun – mit Hilfe vertrauter Personen – persönlich aufarbeiten und klären“, teilt Lindemann mit. Er habe gehofft, dass die ehrenamtliche Mitarbeit im Stadtrat im Rahmen seiner Rehabilitation akzeptiert würde. „Das ist leider nicht der Fall und so ist es besser für alle Beteiligten, wenn ich das Mandat nun selbst niederlege“, sagt Lindemann.

Entscheidung „sehr spät, aber nicht zu spät“

Lindemann bezeichnet seine Entscheidung in der Mitteilung als „sehr spät, aber nicht zu spät“ und hofft, dass dies akzeptiert wird. Er entschuldigt sich bei seinen Wählern, dem Oberbürgermeister, seinen Ratskollegen und den Bürgern der Stadt Delmenhorst für die Enttäuschung und den politischen Schaden, den er verursacht hat.

Neue Fraktion war in Planung

Lindemann war in diesem Jahr wegen mehrfachen Betruges verurteilt worden. Erst am Montag hatte eine gemeinsame Mitteilung mit dem ebenfalls vorbestraften Henning Suhrkamp, der wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Materials verurteilt wurde, für Aufsehen gesorgt. Darin hatten beide erklärt, eine gemeinsame Fraktion im Rat zu bilden.

Ex-Partei über Rücktritt erleichtert

Seine ehemalige Partei, die Freien Wähler, sind erleichtert über seine Entscheidung. „Für ihn ist es der einzig richtige Schritte. Das politische Ehrenamt hatte Schaden genommen. Ich hoffe, dass Herr Suhrkamp daraus seine Lehren zieht“, sagte Rüdiger Kaisers, Vorsitzender der Wählergemeinschaft Delmenhorst.

Lindemann kein Vertreter der Freien Wähler mehr

Lindemann war 2011 für die Wählergemeinschaft in den Stadtrat gewählt worden. Im April kam er laut Arnold Hansen, Landesgeschäftsführer der Freien Wähler, mit einem Austritt dem Parteiausschluss zuvor, im Juni wurde die Wählergemeinschaft wegen ausbleibender Beitragszahlungen aus dem Landesverband ausgeschlossen. Deshalb, so betonen Hansen und Kaisers, habe Lindemann nichts mehr mit den Freien Wählern zu tun. Dennoch wird er im Ratsinformationssystem der Stadt weiterhin als Vertreter der Freien Wähler geführt.

Nachfolger soll ermittelt werden

Hansen und Kaisers wollen die Weihnachtspause der Politik nutzen, um einen Nachfolger zu finden. „Wir wollen ein Dreivierteljahr noch einmal vernünftig kommunalpolitisch agieren“, sagte Kaisers, der zu den Nachrückkandidaten zählt. Hansen ließ bereits durchklingen, dass die Freien Wähler bei der Kommunalwahl in Delmenhorst vermutlich nicht antreten werden.