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Ratsherr vor Gericht Suhrkamp streitet Kinderporno-Vorwürfe ab

Von Daniel Knoke | 15.01.2015, 11:28 Uhr

Am Donnerstagmorgen ist der Prozess gegen den Delmenhorster Ratsherrn Henning Suhrkamp vor dem Amtsgericht in Delmenhorst gestartet. Zum Prozessauftakt hat der Angeklagte die Vorwürfe, er habe kinderpornografisches Material besessen, vehement abgestritten.

Suhrkamp wird der Besitz von kinder- und jugendpornografischem Material vorgeworfen . Zu Beginn des Prozesses sagte er am Donnerstagmorgen im voll besetzten Gerichtssaal aus, dass die Vorwürfe gegen ihn nicht zuträfen. „Das ist nicht meine Wohnung, das ist nicht mein Computer und das sind nicht meine Ausdrucke“, betonte Suhrkamp, nachdem die Anklageschrift verlesen wurde.

In dieser warf die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, in der Zeit vom 9. Dezember 2010 bis zum 22. Januar 2014 mindestens zehn pornografische Bilder ausgedruckt zu haben und weitere Bilddateien auf einem Laptop sowie USB-Sticks gespeichert zu haben. Dabei geht es um rund 200 Bilder und Videos, die pornografische Handlungen an Kindern oder Jugendlichen sowie vor Kindern oder Jugendlichen zeigen. Auch sogenannte Posing-Bilder sollen sich darunter befinden.

Der 44-Jährige nahm die Vorwürfe gefasst auf. Während der gesamten Verhandlung machte er sich Notizen. Der Prozess werde die Wahrheit ans Licht bringen, zeigte er sich überzeugt.

Zum Auftakt der Zeugenvernehmung wurde eine damalige Nachbarin von Suhrkamp befragt. Diese gab an, ausgedruckte Fotos mit eindeutigen Inhalten in einem Müllcontainer in Suhrkamps Umfeld geholt zu haben. Sie habe dabei geholfen, die Wohnung auszuräumen, nachdem Suhrkamp im Sommer 2013 ausgezogen sei und zahlreiche Gegenstände hinterlassen habe. Dabei seien die ausgedruckten Fotos aufgefallen.

Diese sind laut Aussage der Zeugin zunächst mit den anderen Gegenständen weggeworfen worden. Nachdem sie sich Gedanken darüber gemacht habe, habe sie die ausgedruckten Bilder schließlich einige Tage später wieder aus dem Container geholt, um zunächst eine Beratungsstelle, und danach die Polizei zu verständigen.

Bei der Befragung der Zeugin kam zudem heraus, dass die Computer an denen das pornografische Material wohl heruntergeladen und ausgedruckt wurde, frei zugänglich in einem Gemeinschaftsraum waren. Überhaupt sei das Haus, in dem Suhrkamp mit den anderen Bewohnern in einer Art Wohngemeinschaft gelebt hat, „sehr offen gewesen“, wie Suhrkamp-Anwalt Bernd Idselis feststellte. Schlüssel zu den Räumen haben laut Aussage der Zeugin an einem Schlüsselbrett gehangen.

Im Anschluss wurden zwei Polizisten in den Zeugenstand berufen, die mit den Ermittlungen in dem Fall betraut waren. Dabei kam heraus, dass die Polizei bei zwei Durchsuchungen verschiedene USB-Sticks und einen Laptop sichergestellt hat. Die USB-Sticks habe man laut Aussage einer Polizistin in einer Umhängetasche gefunden. Ob diese Tasche jedoch dem Angeklagten gehört, wurde in der Verhandlung nicht eindeutig geklärt.

Zum Abschluss des ersten Prozesstags war deutlich geworden, dass zur Klärung offener Fragen weitere Zeugen vorgeladen werden müssen. Deshalb wird der Prozess nun am 27. Januar um 9.30 Uhr fortgesetzt.