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Reaktion auf Fall Niels Högel Delmenhorster Klinik startet qualifizierte Leichenschau

Von Jan Eric Fiedler, Jan Eric Fiedler | 10.05.2017, 14:51 Uhr

Das Josef-Hospital Delmenhorst hat im März eine erneute Testphase der qualifizierten Leichenschau gestartet. Sie soll zusammen mit einem Paket weiterer Maßnahmen, die Patientensicherheit im Krankenhaus erhöhen.

Hintergrund der Maßnahmen sind die Morde des Ex-Krankenpflegers Niels Högel im Klinikum Delmenhorst. Am Mittwoch wurde das Projekt im JHD vorgestellt.

Externer Rechtsmediziner prüft Todesursache

„Mit der qualifizierten Leichenschau führen wir eine weitere Maßnahme für die Patientensicherheit ein, damit sich Vorfälle wie die Taten von Niels H. nicht wiederholen“, erklärte JHD-Geschäftsführer Thomas Breidenbach. Nach dem Tod eines Patienten wird künftig nicht nur wie bisher die Todesbescheinigung durch den behandelnden Arzt ausgestellt, es gibt zudem noch eine Leichenschau durch einen externen Rechtsmediziner, der die natürliche Todesursache bestätigt. Sollten Unregelmäßigkeiten festgestellt werden, würden sofort die zuständigen Stationen sowie Staatsanwaltschaft und Polizei alarmiert werden. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Krankenhaus die qualifizierte Leichenschau eingeführt, musste den Test aufgrund von Konflikten mit dem niedersächsischen Bestattungsgesetzt kurze Zeit später aber wieder stoppen.

Berater sieht etwas deutschlandweit einmaliges

„Das Krankenhaus hat etwas gemacht, was noch kein Krankenhaus in Niedersachsen und meines Wissens auch in Deutschland gemacht hat. Es wurde ein Ausrufezeichen gesetzt“, sagte Prof. Dr. Michael Klintschar, Direktor der Rechtsmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover. Er hat das JHD bei der Einführung der Leichenschau beraten und bildete laut Breidenbach die Schnittstelle zu den zuständigen Stellen der Landesregierung. Bei der Leichenschau arbeitet das JHD mit dem Ärztlichen Beweissicherungsdienst aus Verden zusammen. Dessen Geschäftsführer Prof. Dr. Michael Birkholz lobte die Bemühungen des JHD. In Sachen Patientensicherheit sei das Krankenhaus schon jetzt vorbildlich.

Mitarbeiter stehen hinter Konzept

Laut Heike Büssing, Klinische Direktorin am JHD, hat sich die Denkweise der Mitarbeiter am JHD durch den Fall Niels Högel verändert. Alle würden der Leichenschau offen gegenüber stehen. Dennoch sind sich alle Akteure einig: Allein durch die Leichenschau ließen sich keine Taten wie die von Niels Högel verhindern, aber sie würden deutlich unwahrscheinlicher werden. Dr. Frank Starp, Ärztlicher Direktor am Josef-Hospital, begrüßt die neue Sicherheitsmaßnahme im Krankenhaus : „Eine qualifizierte Leichenschau ist für uns ein zusätzliches Kriterium, das wir auf haben wollen.“ Auf Birkholz Bemerkung, die Leichenschau sollte als zweite Meinung und nicht als Kontrolle angesehen werden, sagte Starp: „Ich hätte es mir auch gefallen lassen, wenn Sie sagen, dass Sie uns kontrollieren. Ich bin ein Freund externer Kontrollen.“

Morde sind trotzdem nicht auszuschließen

Klar ist für alle Beteiligten aber auch: Morde wie die von Niels Högel können alleine durch die Leichenschau nicht verhindert werden. Dennoch sei sie ein gutes Instrument, um Auffälligkeiten oder Verdachtsfälle aufzudecken. Neben der Leichenschau wird laut Starp der Medikamentenverbrauch auf den Stationen genau erfasst. Zudem gibt es Konferenzen zu „unerwünschten Ereignissen“. Das seien nicht nur die Todesfälle, sondern beispielsweise auch Komplikationen, die bei der Behandlung auftreten. Dieses Maßnahmenpaket soll dazu dienen, die Patientensicherheit in einem solchen Maße zu erhöhen, dass ein Mordfall im Klinikum extrem unwahrscheinlich wird und vor allem schnell entdeckt werden kann.

Krankenhaus mit Vorbildfunktion

„Die Wahrscheinlichkeit, dass so ein Fall heute aufgedeckt werden würde, ist unendlich viel größer“, sagt Birkholz. Er hat nur positive Worte für das JHD übrig: „Das Krankenhaus ist schon jetzt sehr, sehr vorbildlich“, betont Birkholz. Die Sicherheitsmaßnahmen haben zudem einen präventiven Effekt, wie Prof. Dr. Michel Klintschar, der die Einführung der Leichenschau beratend begleitet hat, mit Blick auf die Morde Niels Högels sagt: „Wenn jemand diesen Zwang hat, wird er es nicht in Delmenhorst machen.“