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Reaktionen auf Schulentwicklungsplan Debatte um Delmenhorster Schullandschaft geht in heiße Phase

Von Marco Julius | 05.11.2018, 17:12 Uhr

In der kommenden Sitzung des Schulausschusses stellt die Verwaltung den Schulentwicklungsplan für Delmenhorst vor. Wie reagiert die Politik auf den Vorschlag, Haupt- und Realschule aufzulösen?

Es geht auch um die Zukunft der Haupt- und der Realschule, wenn am Dienstag, 13. November, 17 Uhr, im Commedia der Schulentwicklungsplan auf der Tagesordnung des Schulausschusses steht. Die Verwaltung schlägt vor, die Zusammenführung der Schulen zu einer Oberschule zu prüfen. Was sagt die Politik vorab zu diesem Vorschlag?

 Kristof Ogonovski, CDU-Fraktionschef, macht für seine Partei deutlich, dass man sich auch weiterhin für den Erhalt der Realschule einsetzen werde. „Wir rücken da von unserer Linie sicher nicht ab.“ In zwei weiteren Sitzungen vor dem Ausschuss werde sich die Fraktion noch einmal intensiv mit dem Schulentwicklungsplan auseinandersetzen. „Den Vorschlag der Verwaltung sehe ich eher als Startschuss für die Debatte – und die wird lang und intensiv“, betont Ogonovski.

SPD fehlen noch Informationen

Die Gruppe SPD & Partner, stärkste Fraktion im Rat, will in der Ausschusssitzung keinem Vorschlag zustimmen. „Die bisherigen Ausführungen der Verwaltung sind ein Baustein in der Planung, umfassen aber bei weitem nicht alle relevanten, entscheidungsreifen Grundlagen“, teilt die Gruppe mit. Es fehlten in den Ausführungen unter anderem „die räumlichen Möglichkeiten des Umbaus zu einem inklusiven Bildungsangebot oder die Möglichkeit zum weiteren Angebot des binnendifferenzierten Unterrichts“. „Schulentwicklung erfordert eine langfristige, nachhaltige Planung, die die Veränderungen in die Anforderung an Bildungsabschlüsse, in Lern- und Lehrmethoden, an eine heterogene Schülerschaft mit dem berechtigten Anspruch auf vollständige Teilhabe und Chancengleichheit im Bildungssystem, widerspiegelt“, sagt die Schulausschussvorsitzende Margret Hantke. Man werde die fehlenden Informationen einfordern, „damit eine Entscheidung getroffen werden kann, die einer nachhaltigen Schullandschaft gerecht wird“.

Das sieht Uwe Dähne, Fraktionsmitglied der UAD, anders: „Die Verwaltung hat den Kommunalpolitikern zahlreiche und umfassende Daten und Fakten strukturiert zur Verfügung gestellt, sodass eine sichere Entscheidungsgrundlage vorliegt. Der Dialog zwischen allen Akteuren auf dem Feld der Bildung ist für uns die unerlässliche Voraussetzung für ein gutes Gelingen.“ Für Dähne ist klar: „Die Vielfalt des Bildungsangebots muss erhalten bleiben und zukunftssicher aufgestellt werden, um den vielfältigen Potenzialen der Schulkinder gerecht zu werden und um eine Überforderung oder eine Unterforderung zu vermeiden.“

AfD will Realschule erhalten

 Lothar Mandalka, Fraktionsvorsitzender der AfD, macht für seine Farben deutlich: „Eine Abschaffung der Realschule in Delmenhorst ist mit der AfD nicht zu machen. Wir plädieren mit allem Nachdruck für den Erhalt dieser Schule.“

Für Edith Belz, Fraktionsvorsitzende der Linken, ist klar: „Die Schullandschaft, wie wir sie jetzt vorfinden, funktioniert nicht. Die Vielfalt, die besteht, ist eher kontraproduktiv. Alles nebeneinander laufen zu lassen, ergibt keinen Sinn.“ Belz macht keinen Hehl daraus, dass es aus Sicht ihrer Partei besser gewesen wäre, eine zweite IGS in Delmenhorst auf den Weg zu bringen. „Möglichst lange gemeinsam lernen, das wäre ideal“, sagt Belz. Dem komme – abgesehen von der IGS – die Oberschule am nächsten.

 Murat Kalmis, Fraktionschef der FDP, sagt: „Die Realschule muss bleiben. Daran geht für uns kein Weg vorbei. Der Vorlage der Verwaltung können wir deshalb auch nicht zustimmen.“ Der Elternwille dürfe nicht missachtet werden, das sei die oberste Prämisse.

 Eva Sassen, Fraktionsvorsitzende der Gruppe Bürgerforum/Freie Wähler/Unger, kritisiert die Vorlage der Verwaltung. Ihr fehlen Zahlen für Fachoberschulen und Berufsbildende Schulen. Sassen spricht sich für den Erhalt der Realschule aus, macht aber zudem einen neuen Vorschlag: „Meine Idee: Wir bauen ein drittes Gymnasium auf der Brachfläche an der Ecke Stedinger Straße/ Nordwollestraße. Zusätzlich könnte an diesem Ort ein Neubau für die BBS II entstehen. Die bestehende, dringend sanierungsbedürftige BBS II könnte für Wohnbebauung weichen.“ Diese Idee sei aber noch keine Fraktionsmeinung, betont Sassen. Die Einrichtung einer Oberschule mit gymnasialem Zweig lehnt Sassen ab: „Das wäre doch nur eine Sparversion einer IGS.“

Grüne: Lehrerversorgung im Blick behalten

 Marianne Huismann, Fraktionsvorsitzende der Grünen, kritisiert „die Aufschieberitis, die seit Jahren die Schulpolitik prägt“. Sie sagt: „Wir als Grüne wollen ein Schulsystem, das nicht aussortiert.“ Die Einführung der Oberschule habe bereits gezeigt, das „rumgedoktert“ werde. Aus Sicht der Grünen sei es erstrebenswert, dass Schüler möglichst lange gemeinsam lernen. Huismann regt an, über eine Erweiterung der IGS nachzudenken. Zugleich sagt sie, dass man unabhängig vom Schulsystem aus ihrer Sicht die Verbesserung der Lehrerversorgung und der Ausstattung der Schulen nicht aus den Augen verlieren dürfe.