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Religiöse Kindertage Delmenhorster Kinder bauen Brücken für den Frieden

Von Heike Bentrup | 21.10.2015, 20:02 Uhr

Die katholische St.-Marien-Gemeinde in Delmenhorst und die DITIB Moschee gestalten derzeit gemeinsam religiöse Kindertage. Der Austausch soll das Kennenlernen und das Verständnis fördern.

„Warum tragen die muslimischen Frauen Kopftücher“, lautete die Frage, die den jungen Teilnehmern der religiösen Kindertage der Kirchengemeinde St. Marien an diesem Mittwochmittag in der DITIB-Moschee am Bienenschauer am meisten auf den Nägeln brannte. Und so erklärte Elveda Seren geduldig ein ums andere Mal, dass der Koran vorgebe, dass sich die Frauen bedecken sollen.

Doch nicht nur im Islam, so erfuhren die knapp 40 Mädchen und Jungen, sondern auch in anderen Religionen wie beispielsweise dem Christentum sei es durchaus üblich, dass Frauen ihr Haar mit Tüchern oder Schleiern verhüllen. Aber auch Unterschiede zwischen den Religionen kamen zur Sprache. So erfuhren die jungen Gäste unter anderem, dass der Imam im Gegensatz zu katholischen Geistlichen durchaus eine Ehefrau und Kinder haben darf.

Gemeinsame Vorbereitung

Der Besuch der Kinder und ihrer Betreuerinnen aus der Gemeinde St. Marien war Bestandteil der religiösen Kindertage, die dieses Mal den Brückenschlag zwischen den Religionen zum Inhalt haben. Unter dem Motto „Ich bin Christ – du glaubst an Allah. Darüber möchte ich mehr erfahren“ tauschen sich die beiden Gemeinden bis Donnerstag intensiv über Verschiedenheiten, aber auch über Parallelen in ihrem jeweiligen Glauben aus.

„Gerade in Zeiten von Pegida und Anfeindungen von Flüchtlingen wegen ihrer Religion fanden wir es wichtig, aufeinander zuzugehen und den Kindern die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten unserer Religionen nahezubringen“, begründet Pastoralreferentin Marianne Etrich die Themenwahl. Gemeinsam mit der Pastoralassistentin Greta Hahn und Elveda Seren aus der DITIB-Gemeinde hat sie die religiösen Kindertage vorbereitet.

Die 38 Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren, die sich aufseiten der St.-Marien-Gemeinde an der Aktion beteiligen, stimmten sich am Dienstag bei einem Theaterstück, einem informativen Stationenlauf über den Islam sowie beim Basteln von Mosaiken auf den Besuch ein. Unterdessen wurde in der Moschee von Kindern aus der dortigen Gemeinde eine Aufführung einstudiert, mit der die Gäste an diesem Mittwoch überrascht wurden.

Gegenbesuch in katholischer Kirche

Doch bevor es so weit war, galt es zunächst einmal, die Räumlichkeiten der Moschee zu erkunden. So säumten am Eingang unzählige Paare von Kinderschuhen, ordentlich aufgereiht, die Regale, während die Mädchen und Jungen aus der Marien-Gemeinde im Innenraum den Ablauf eines muslimischen Gebetes verfolgen konnten, bevor sie offiziell von Imam Yunis Altun begrüßt wurden. „Wir leben alle auf dieser Welt und wollen alle in Frieden leben“, ließ er übersetzen. Daher sei das gegenseitige Kennenlernen wichtig. Die Kriege, die auch in jüngster Zeit geführt werden, schaden der gesamten Menschheit, unterstrich der Imam. In der folgenden Aufführung ging es um einen Vers, der sich sowohl in der Bibel als auch im Koran wiederfindet und in dem gleichermaßen der Weltfrieden angemahnt wird. Anschließend gab es noch Erläuterungen von Elveda Seren. So erfuhren die Kinder unter anderem, dass im Islam nicht der Sonntag, sondern der Freitag als Feiertag gilt und dass Muslime kein Schweinefleisch essen, weil die Tiere als unrein gelten.

Am Donnerstag klingen die religiösen Kindertage mit einem Besuch der jungen DITIB-Mitglieder und ihren Begleitern in der katholischen St.-Marien-Kirche an der Louisenstraße aus. Dort stellten sich die Gemeindeverantwortlichen den Fragen ihrer muslimischen Besucher, bevor zum Abschluss ein Gottesdienst mit den Eltern gefeiert wird.