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Resistente Keime Delmenhorster Einrichtungen kämpfen gegen MRSA

Von Jan Eric Fiedler | 09.06.2015, 21:39 Uhr

Mehr als 65000 MRSA-Fälle sind im vergangenen Jahr nach Statistiken des Robert-Koch-Instituts in Deutschland diagnostiziert worden. Trotz dieser hohen Zahl und obwohl der Methicillin resistenter Staphylococcus aureus, umgangssprachlich auch Krankenhauskeim genannt, seit Jahren bekannt ist, ist der Ablauf der Behandlung des antibiotika-resistenten Bakteriums oft unbekannt.

So auch bei einem Fall, der dem dk jetzt geschildert wurde: Eine Patientin wird aus dem Krankenhaus entlassen, doch im Pflegeheim muss die Seniorin weiter mit besonderen Schutzmaßnahmen behandelt werden: Sie ist Trägerin des MRSA-Keims. Dieser Fall hat sich kürzlich in Delmenhorst ereignet und einer Bekannten der Frau Sorgen bereitet, denn ein Besuch bei ihr war nur in Schutzkleidung möglich.

MRSA-Sanierung

Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Patient mit MRSA nach Hause – oder wie im Fall der älteren Frau ins Pflegeheim – entlassen werden, obwohl die Bekämpfung des Keims noch läuft, berichtet Heike Hammer, Hygienefachkraft am St. Josef-Stift. Eine sogenannte MRSA-Sanierung dauert fünf Tage. „Nach einer dreitägigen Pause werden drei Tage lang Abstriche genommen, um zu sehen, ob der Keim noch aktiv ist“, erklärt Hammer. „Es kann sein, dass der Patient in dieser Phase entlassen wird, falls seine eigentliche Behandlung abgeschlossen ist.“

In Krankenhäusern werden mittlerweile laut Robert-Koch-Institut fast 30 Prozent der Patienten auf MRSA untersucht. „Krankenhäuser müssen strenge Screening-Auflagen erfüllen, um Hygiene-Siegel zu bekommen“, sagt Heike Büssing, Pflegedirektorin des St. Josef-Stifts. „Selbst Patienten der HNO-Belegabteilung werden schon in der Praxis gescreent.“ Unter Führung des Gesundheitsamtes sind zahlreiche Einrichtungen in der Stadt im EurSafety Health-Net organisiert, einem Projekt zur Patientensicherheit und Infektionsschutz im Weser-Ems-Gebiet und den Niederlanden. Dieses verteilt Zertifikate an Einrichtungen, die sich an die strengen Screening-Auflagen halten. Neben den beiden Delmenhorster Krankenhäusern sind auch acht Pflegeeinrichtungen in der Stadt zertifiziert.

Hygienefachkraft schult Mitarbeiter

Dazu gehört auch das Rote Kreuz Stift. Für den Umgang mit MRSA-Patienten gibt es ein umfangreiches Informationssystem für die Angestellten, berichtet DRK-Geschäftsführer Michael Pleus. Denn es gelten nicht nur Hygiene-Richtlinien für das Pflegepersonal, das direkt mit den Bewohnern in Kontakt kommt, sondern auch für die Hauswirtschaft. „Der Umgang mit Geschirr oder Wäsche ist klar geregelt“, erklärt Pleus. Auch das Pflegeheim beschäftigt eine Hygienefachkraft, die die übrigen Mitarbeiter im Umgang mit MRSA schulen.

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie Träger des resistenten Keims sind. Gesunde Menschen werden davon nicht krank. Doch bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können schwere Infektionen ausbrechen. „Das ist das Problem. Man kann erst Maßnahmen ergreifen, wenn es einen Befund gibt“, sagt Pleus.

Deshalb ist ein hartes Vorgehen gegen die Keime gefragt: Wenn ein Patient zu einer der MRSA-Risikogruppen gehört, wird er bei der Aufnahme im Krankenhaus sofort getestet und bekommt ein Einzelzimmer. „Für Hochrisikopatien haben wir einen Schnelltest, der nach zwei Stunden ein Ergebnis liefert“, erklärt Heike Hammer vom St. Josef-Stift.

Zu den Risikogruppen gehören unter anderem Menschen in landwirtschaftlichen Berufen und eben Bewohner von Pflegeheimen. „Wir sind auf der Hut“, sagt die Hygienefachkraft.