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Retro-Flair im Kleinen Haus Kabarettist Robert Kreis begeistert Delmenhorster Publikum

Von Florian Fabozzi, Florian Fabozzi | 23.04.2018, 16:28 Uhr

Mit dem Programm „Großstadtfieber“ lässt Robert Kreis das Berlin der Zwanzigerjahre wieder aufleben. Sein unermüdlicher Elan und Wortwitz brachte das Kleine Haus in Delmenhorst zum Beben.

„Was steht auf dem Grabstein eines Beamten?“ – „Hier ruht er weiter.“ Ruhen tut Robert Kreis auch mit 68 Jahren noch nicht, stattdessen sorgt er mit Witzen wie diesem für schallendes Gelächter bei seinen Fans. Etwa 350 Gäste versammelten sich am Sonntagabend im Kleinen Haus, in dem der Retro-Kabarettist, bekannt für seine Vorliebe für die Zwanzigerjahre, erneut zur Hochform auflief. Sie sahen ein temporeiches Feuerwerk aus Anekdoten aus dem Leben des Robert Kreis. Mit Kalauern und Situationskomik zog er das Publikum in seinen Bann, witzelte über Persönlichkeiten der Politik, die Leiden der Ehe oder über die Smartphone-Generation. Auch sein Hang zur Frivolität kam hier und da zum Vorschein.

Statement gegen Antisemitismus

Kreis liebt das Berlin der Zwanzigerjahre: das freizügige Nachtleben, die Mode und Kultur. Dabei präsentierte er Magazinexemplare aus der Zeit, zitierte skurrile Artikel und leitete damit wortgewandt das nächste Thema ein. Zwischendrin schlug Kreis ernstere Töne an, als er etwa auf politische Parallelen zwischen den Zwanzigerjahren und der Gegenwart verwies. Für ein Statement gegen Antisemitismus erntete er einen Sonderapplaus.

Hommage an Otto Reuter

Erst wenn Musik im Spiel ist, blüht Kreis richtig auf. Daher durfte sein treuster Begleiter nicht fehlen: Das Klavier, auf dem er die eingängigsten und mitreißendsten Melodien der Zwanzigerjahre zum Besten gibt. Einige der Lieder haben auch nach fast 100 Jahren keinen Staub angesetzt und erweisen sich als zeitlos. „Alles weg’n de Leut‘“ von Otto Reuter kritisiert etwa die Eigenschaft der Menschen, bei ihren Handlungen immer nur auf die Anerkennung Anderer hinzuarbeiten. Auf Robert Kreis trifft das nicht zu. Nach über 40 Jahren auf der Bühne lässt er stolz verlauten: „Ich mach alles für de Leut‘.“