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Revival-Band The Cashbags in Delmenhorst: Ehrerbietung, keine Imitation

Von Frederik Grabbe | 21.02.2016, 18:06 Uhr

The Cashbags gelten als gefragteste Johnny-Cash-Revival-Band. Am Samstag spielten sie im Kleinen Haus. Ein bisschen mehr Rebellentum hätte dem Konzert gutgetan.

Tribute-Bands haben eines gemein: Sie müssen sich früher oder später mit dem Original messen lassen. Und wenn man so vorginge, könnte man bei dem Auftritt der Cashbags, die Stücke des Country-Musikers Johnny Cash spielten, am Samstagabend im Kleinen Haus sicher auch einiges monieren.

Doch geschenkt. Das wäre reine Haare-in-der-Suppe-Sucherei. „Hello, we ́re The Cashbags“, grüßte Sänger Robert Tyson zu Beginn von der Bühne. Eine Anlehnung an den typischen Cash-Gruß vor jedem Auftritt: „Hello, I ́m Johnny Cash.“ Dieser Tribute-Band geht es in erster Linie um Ehrerbietung, nicht um Imitation. Das wurde schnell deutlich. Und in dieser Hinsicht war der Auftritt der Cashbags anlässlich des 84. Geburtstags Johnny Cashs, der Ende 2003 verstarb, aller Ehren wert.

Auffällig viele Lederjacken und Schmalzlockenträger

Und das erste Lied war gut gewählt: Der „Folsom Prison Blues“, Cashs Stück über die Gedanken eines Mörders, der im Knast sitzt, wurde zunächst angespielt, um später nochmals wiederholt zu werden. Das Publikum klatschte mit, johlte vereinzelt gar – und dies gerade bei den Klassikern Cashs. Auffällig viele Lederjacken trugen die Zuschauer, hier und da zeigte sich sogar ein Schmalztollen- oder ein Motorradkutten-Träger unter den rund 370 Konzertbesuchern.

Große Bandbreite, die Eisenbahn rollt

Vor allem die Bandbreite der Band war groß: So spielte Frontmann Robert Tyson etwa ohne Begleitung der Band auf der Akustikgitarre „Delia‘s gone“, ein Stück, in dem Cash beschreibt, wie er seine Liebste erschießt. An anderer Stelle sprang etwa Gitarrist Stephan CKoehler in ein Kostüm und verwandelte sich in Carl Perkins, ein Pionier des Rock‘n‘Roll und Weggefährte Cashs (Tyson: „Heute Abend, extra vom Himmel herabgestiegen“). In bester Rock’n’Roll-Manier fetzte CKoehler über die Bühne. Das war überraschend, stand er doch als Gitarrist der Cashbags zuvor eher säulenartig und unverrückbar an einer Stelle, was wohl der Nachahmung von Cashs Band aus den 60er Jahren geschuldet war. Dieser Ausflug in ein anderes Genre kam zwar unerwartet, doch nicht unwillkommen. Genauso gut wurde das Stück „Orange Blossom Special“ aufgenommen, bei dem Tyson mit zwei Mundharmonikas eine Eisenbahn imitierte. Ebenso konnten die Cashbags ihren Auftritt mit Cashs Frau June Carter (Valeska Kunath) und drei Hintergrundsängerinnen ergänzen, die etwa bei den Liedern „If I were a Carpenter“ oder „Ring of Fire“ zum Einsatz kamen. Gerade bei diesem Stück, eines der bekanntesten Lieder Cashs, sprang der Funke aufs Publikum über.

„Ich hoffe, die Legende ist wahr“

An vielen Stellen nahm sich Tyson die Zeit, Geschichten zu einzelnen Liedern zu erzählen. So schilderte er zum Beispiel, wie der Musiker und Songschreiber Kris Kristofferson nach erstem Sträuben angeblich mit dem Hubschrauber im Garten Cashs einflog und ihm das Manuskript von „Sunday Morning Coming“ in die Hand drückte. „Ich hoffe, die Legende ist wahr“, kommentierte Tyson schmunzelnd.

Und doch: Johnny Cash wurde als Rebell gegen den zu seiner Zeit massentauglichen Country-Pop in den USA verehrt. Das wird in seinen Texten nur allzu deutlich. Er hat in Strafanstalten gespielt, geradezu ikonografisch für sein Image als Outlaw ist jenes Foto, auf dem er voller Inbrunst dem Betrachter den Mittelfinger entgegenstreckt. Gemessen daran, wirkten die Cashbags fast ein wenig brav. Ein bisschen mehr Rebellentum wäre wünschenswert gewesen. Aber wie gesagt: Hier geht es um Ehrerbietung. Nicht um Imitation.