Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Urteil gegen 22-jährigen Delmenhorster „Rollkommando“ beim Ex bringt neuen Freund in Knast

Von Marco Julius | 01.04.2019, 21:35 Uhr

Der Angeklagte erreichte in zweiter Instanz aber ein Teilziel: Er wird nun eine Drogentherapie machen. Das Opfer litt noch Monate unter den Verletzungen.

Der Richter aus erster Instanz hatte die Aktion ein „Rollkommando“ genannt: Drei Männer standen vor etwa einem Jahr plötzlich vor der Tür eines Delmenhorster Wohnungsmieters, angeblich um Sachen seiner Ex-Freundin zu holen. Doch am Ende war die Tür eingetreten, der Mieter verprügelt, verletzt und in ein Nachbarhaus geflüchtet. Auch eigene Dinge fehlten, als er sich wieder nach Hause traute, sein Fernseher etwa oder sein Portemonnaie. Im Oktober waren zwei der Täter in Delmenhorst verurteilt worden, jetzt am Montag kämpften sie vor dem Oldenburger Landgericht um eine mildere Strafe – die gab es aber nicht.

Zwei Jahre und sechs Monate Haft wegen gemeinschaftlichen Raubes in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung hatte das Amtsgericht Delmenhorst einem 22-jährigen Angeklagten aufgedrückt. Er hatte sich bei der Aktion besonders unrühmlich hervorgetan – mal wieder. Denn wegen Gewaltdelikten hatte der 22-Jährige schon häufig Probleme mit der Justiz. Bis Ende 2016 hatte er auch eine zweijährige Haftstrafe abgesessen.

Chatprotokolle ausgewertet

Bei der Aktion vor einem Jahr musste er offenbar unbedingt mitmachen, weil er mit der Frau gerade zusammengekommen war. Und die wollte nun plötzlich ihren Koffer zurück, den sie Monate in der Wohnung ihres Ehemaligen liegen gelassen hatte. Dieser Ehemalige aber hatte an diesem Tag gerade keine Lust auf ihren Besuch, geht aus den Chatprotokollen hervor, in dem die Frau unmissverständlich mit ihrem neuen Freund drohte. Und tatsächlich: Nach den Attacken des muskulösen, durchtrainierten 22-Jährigen blieb das Opfer noch monatelang eingeschränkt.

Jetzt in zweiter Instanz zog der geständige 22-Jährige zwar die Berufung zurück, ein Ziel aber erreichte er dennoch: Denn im aktuellen Urteil ist – anders als noch in Delmenhorst – sein Drogenkonsum Thema: Schon mit sieben Jahren habe er das erste Mal Alkohol getrunken, gab er an, nun als junger Erwachsener konsumiere er regelmäßig Kokain, Crystal Meth und Amphetamine. Weil seine Drogensucht nun quasi aktenkundig ist, könnte er nach sechs Monaten Haft eine zweijährige stationäre Therapie durchführen.

Berufung zurückgezogen

Der zweite Angeklagte – ein gleichaltriger Bremer, der bei der Aktion unten vor dem Haus gewartet oder aufgepasst hatte – war wegen Beihilfe zu Raub und Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten plus 600 Euro Geldauflage verurteilt worden. Als die Richterin in Oldenburg andeutete, dass sie diese Strafe kaum reduzieren würde, zog auch dieser Angeklagte seine Berufung zurück.

Nicht auf der Anklagebank saß übrigens die Frau, wegen der die ganze Aktion überhaupt stattgefunden hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren gegen sie eingestellt. Die Beziehung zwischen dem 22-Jährigen und ihr gehört inzwischen übrigens der Vergangenheit an.