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Ruhestand für Birgit Hoferichter Delmenhorster Stadtbücherei verliert bekanntes Gesicht

Von Frederik Grabbe | 01.10.2016, 11:23 Uhr

Über 40 Jahre prägte Birgit Hoferichter die Stadtbücherei in Die heute 62-Jährige ist vielen Delmenhorstern für ihren herzlichen Umgang bekannt. Diesen Freitag ist Schluss mit dem Berufsleben.

Der Tag begann für Birgit Hoferichter wie jeder andere. Um 6.30 Uhr aufstehen, ein bisschen Gymnastik, mit der Bahn zur Arbeit, am Schreibtisch die gewohnte Routine erleben. „Aber komisch war es irgendwie doch.“ Die 62-jährige stellvertretende Leiterin der Stadtbücherei in Delmenhorst geht nach 40 Jahren in den Ruhestand. Hoferichter hat die Einrichtung über Jahrzehnte mitgeprägt. Nach diesem Freitag ist es vorbei mit der Arbeitsroutine.

Bibliothek verboten

Dass sie hauptberuflich überhaupt einmal mit Büchern zu tun haben könnte, war zu Grundschulzeiten nicht einmal wahrscheinlich: Ihre frühere Lehrerin unterstellte dem Mädchen, nicht einmal die Fähigkeit zu haben, richtig lesen zu können. Von Bibliotheksbesuchen war Hoferichter darum kategorisch ausgeschlossen. „Dabei hatte ich nur schlechte Augen. Ich konnte die Tafel nicht lesen, darum war die Beteiligung im Unterricht eher gering“, erklärt sie. Dennoch saß die Kränkung tief. Aus Trotz fühlte sie sich umso mehr von Bibliotheken angezogen. Mit 16 Jahren, der damals frühestmöglichen Gelegenheit, ließ sie sich einen eigenen Bibliotheksausweis ausstellen. „Das Verhalten meiner Lehrerin war eine wichtige Lehre im Umgang mit Jugendlichen für mich“, sagt die Sykerin Hoferichter heute, die als Verantwortliche für den Kinder- und Jugendbereich unzählige Schüler durch die Stadtbücherei führte.

Brand, Umzug, Bücherschleppen

In den 40 Jahren in der Bücherei hat Hoferichter so einiges erlebt: Besonders ist ihr 2007 das Feuer im Kaufpark in Erinnerung geblieben. „Damals ist die Bücherei umgezogen. Bei dem Brand ist jede Menge Löschwasser in die Räume getreten, sodass sich der Schimmel ausbreitete. Durch Umzug und Aufräumarbeiten mussten wir alle Unmengen Bücher schleppen. Wir waren alle richtig fit.“

Unfreiwillig zur Chefin geworden

„Intensiv“ wurde es noch einmal gegen Ende des Berufslebens, als Günther Wetzig als Leiter der Einrichtung in den Ruhestand ging und Nachfolgerin Petra Beck nach wenigen Wochen Delmenhorst wieder verließ. Hoferichter übernahm die kommissarische Leitung der Bücherei – wenn auch nicht ohne Mühen. Dass dies „so gut“ und „geräuscharm“ verlief, rechnet ihr Hero Mennebäck, Fachbereichsleiter für Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur, hoch an. Dass personell künftig mehr Sicherheit in der Spitze der Stadtbücherei herrschen werde, da habe Hoferichter „ein gutes Gefühl“, sagt sie mit Blick auf die neue Leitung .Die neue Büchereileiterin Anika Schmidt beschreibt Hoferichter als lebensfrohe Optimistin, die immer eine herzliche Verbindlichkeit an den Tag gelegt hat. Diese werde der Einrichtung, neben ihrer „jahrelangen Expertise“, sicher fehlen

Ein süßer Abschied

Wie dies aussieht, konnten Büchereibesucher in den vergangenen Wochen erleben: Hoferichter hatte sich mit Süßigkeiten von den Besuchern persönlich verabschiedet. Die Mundpropaganda tat ihr Übriges. Mehrfach wurde die leidenschaftliche Krimileserin daraufhin aufgesucht. „Es gibt etliche Eltern, die ich seit klein auf begleitet habe und die sich verabschieden wollten. Gewisserweise bin ich für sie von einer Freundin zur Oma geworden.“