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Russland-Vortrag im HWK Experte sieht Einigung Europas gefährdet

Von Alexander Schnackenburg | 15.04.2015, 13:14 Uhr

Die angespannten deutsch-russischen Beziehungen beschäftigen die Delmenhorster offenbar sehr. Wenigstens 150 Gäste strömten am Montagabend in das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK) am Lehmkuhlenbusch, um den emeritierten Professor Wolfgang Eichwede, lange Jahre Leiter der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen, zum Thema zu hören.

Unter dem Strich konnte Eichwede seinem Publikum wenig Ermutigendes mit auf den Weg geben. „Das von Michael Gorbatschow ersehnte gemeinsame europäische Haus werden wir mit diesem Russland nicht bauen können“, befand Eichwede etwa. Er sieht gar das gesamte europäische Einigungsprojekt durch Russlands Eroberung der Krim gefährdet, betrachtet die Entspannungspolitik als beendet.

Zwar bildeten Putin und seine politische Elite nur einen Teil des Landes ab, allerdings müssten sich die Deutschen auf „eine lange Zeit des Wartens“ einrichten, ehe sich das Verhältnis zu Russland wieder normalisieren könne.

Eichwede vermutet hinter der zuletzt vom Westen abgewandten Politik Putins nicht zuletzt ein Ablenkungsmanöver des Präsidenten, dessen Ansehen im Landesinneren spätestens durch die „Rochade“ im Dezember 2011 stark geschädigt sei.

Damals löste Putin Dmitri Medwedew als Präsidenten ab und trat unter starken Protesten der Bevölkerung seine dritte Amtszeit an. Seither, so Eichwede, wehe in Russland ein eisiger Wind: „Die Nationalisierung aus innenpolitischen Gründen hat eine außenpolitische Wirkung“, so der Bremer Experte.

Mit Prognosen für die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen hielt sich Eichwede mit dem Hinweis zurück, dass letztlich niemand die zahlreichen Wandlungen vorhergesehen habe, die Russland in den letzten 70 Jahren durchgemacht habe. Der deutschen Politik empfahl Eichwede, Putin deutlich zu zeigen, dass Deutschland, wenn es den Ausgleich mit Russland suche, damit nicht zugleich den Ausgleich mit seiner Politik der Grenzverletzung meine.