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Saison auf dem Erdbeerhof Süße Früchte direkt vom Delmenhorster Feld

Von Marco Julius | 08.07.2015, 19:26 Uhr

Erdbeeren sind derzeit in aller Munde. Auf dem Erdbeerhof in Stickgras können Früchte im Hofladen erworben oder vom Feld geerntet werden.

Birte Kratz hat das erste Körbchen schon fast voll. Behutsam legt sie rote Frucht um rote Frucht hinein. Der Klassiker steht bei ihr an. „Ich mache aus den Erdbeeren Marmelade“, sagt sie, sehr zur Freude der Familie im Übrigen. In diesem Jahr ist sie schon das vierte Mal auf dem Erdbeerhof Delmenhorst an der Syker Straße. Irgendwie schmecken selbstgepflückte Früchte am Ende eben doch süßer. Auf rund 2,5 Hektar, das sind etwa vier Fußballfelder, wachsen bei Gerd Pleus in Stickgras die roten Früchte, die derzeit in aller Munde sind.

Anteil der Selbstpflücker

80 bis 90 Doppelzentner Ertrag, so schätzt Gerd Pleus, werfen die Erdbeerpflanzen in diesem Jahr pro Hektar ab. Pleus verkauft die Erdbeeren unter anderem im Hofladen direkt vor Ort, auch am Wochenende. Er freut sich aber auch über jeden Selbstpflücker. Aktuell kosten 500 Gramm mit eigener Hand gepflückte Erdbeeren 1,30 Euro. „Der Anteil der Selbstpflücker nimmt aber ab“, bedauert Pleus. Das habe natürlich auch mit einer gewissen Bequemlichkeit zu tun, aber auch damit, dass es die klassische Hausfrau kaum noch gibt. „Es verschwindet das Wissen um die Kunst der Küche.“ Ein Wissen, dass viele Bürger, die aus Polen, Russland oder der Türkei kommen, noch mitbringen. Entsprechend hoch sei deren Anteil an den Selbstpflückern.

Mit dem Wetter verheiratet

Und auf Selbstpflücker will Pleus auf keinen Fall verzichten, nicht nur des Geschäftes wegen. „Ich freue mich immer, wenn Kinder mit dabei sind. Sie lernen so etwas über die Natur, verstehen, woher Lebensmittel kommen.“ Ein quasi pädagogischer Ansatz. Die Saison für Selbstpflücker werde noch gute zwei Wochen laufen. Apropos Saison. Die Erdbeere ist so beliebt, „dass sich die Deutschen einen Markt erschaffen haben, der von Ende April bis Oktober Erdbeeren bietet“. Ausgefeilte Anbaumethoden, Folientunnel, Vliesabdeckungen und vieles mehr tragen dazu bei. „Früher dauerte die gesamte Erdbeersaison vier bis fünf Wochen, heute gibt es ein halbes Jahr lang frische Erdbeeren aus deutschen Landen“, sagt Pleus. Abhängig vom Wetter ist er natürlich trotzdem. „Mit dem Wetter sind wir sozusagen verheiratet“, sagt der 50-Jährige. Der kalte Mai habe erhebliche Schäden an den Erdbeeren hinterlassen, Nachtfrost mit minus 5 Grad noch im Wonnemonat, da helfe auch kein Vlies. Aber auch das andere Extrem schade den Erdbeeren, die streng genommen keine Beeren, sondern Früchte sind. „Bei 37 Grad im Schatten hatten wir in der vergangenen Woche auf dem Feld in der prallen Sonne bis zu 55 Grad Celsius. „Das ist natürlich auch Gift, das ist purer Stress für die Pflanzen.“ Die Früchte bekämen eine regelrechten Sonnenbrand, ohne dass sie ihre verlockende rote Farbe erhalten.

Drei Kilogramm im Jahr

Drei Kilogramm Erdbeeren nascht jeder Deutsche laut Statistik durchschnittlich im Jahr, netter Nebeneffekt: Erdbeeren enthalten viel Vitamin C und Eisen. Doch wie müssen Erdbeeren beschaffen sein? Ganz einfach: „Sie müssen schmecken und gut aussehen“, sagt der Experte Pleus. Und sie sollten möglichst so sein, dass sie auch nach dem Heimtransport noch ansehnlich sind. Erdbeere ist dabei nicht gleich Erdbeere. Wer, wie Birte Kratz, alle paar Wochen zum Pflücken kommt, der hat laut Pleus schon verschiedene Erdbeersorten verspeist, auch das sei eine Folge davon, dass die Saison möglichst lang andauern soll.