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Saisonauftakt im Kleinen Haus Mörderischer Spaß mit Schauspielstar Anja Kruse

Von Dirk Hamm | 17.10.2016, 16:25 Uhr

Wie bringt man eine Frau um, die gerade im Begriff ist, sich selbst zu töten? Und wie kann jemand ausgerechnet dadurch beschenkt werden, indem er aus dem Testament mit einer üppigen Hinterlassenschaft gestrichen wird?

Das sind nur zwei von vielen verwirrenden Fragestellungen, die in der Kriminalkomödie „Adieu und bis gleich“ eine Rolle spielen. Am Sonntagabend hatten rund 350 Zuschauer im nicht voll besetzten Kleinen Haus einen mörderischen Spaß mit dem Verwirrspiel, bei dem nichts so ist, wie es scheint. Mit Anja Kruse hatte die Koproduktion des Tourneetheaters Thespiskarren aus Hannover und des Bonner Contra-Kreis-Theaters gleich zum Auftakt einen der größten Stars im Programm der neuen Spielzeit im Kleinen Haus zu bieten.

Temporeiches Spiel mit vielen Überraschungen

Die Handlung des 2012 in Paris uraufgeführten Stücks aus der Feder der französischen Schriftstellerin und Schauspielerin Isabelle Mergault knausert nicht mit ebenso atemberaubenden wie unterhaltsamen Volten. Alles in der frech und temporeich inszenierten Komödie funktioniert genau andersherum wie im normalen Leben. Trotz des einen oder anderen Kalauers – etwa die Replik auf die Erwähnung des fiktiven Bestsellers „Der Mann, der nicht ganz dicht war“: „War der inkontinent?“ – hat das Stück mehr zu bieten als nur plumpe Schenkelklopfer. Dank der geschickt konstruierten Wendungen und vor Witz sprühenden Dialoge ist das Publikum brutto zwei Stunden lang bestens unterhalten worden.

Hauptdarstellerinnen glänzen im Zusammenspiel

Zu gefallen wusste vor allem das Zusammenspiel der beiden weiblichen Protagonisten, deren Verhältnis im Laufe der Handlung eine aberwitzige Transformation durchläuft: vom Aufeinandertreffen der Möchtegern-Killerin und Beinahe-Selbstmörderin bis zur Umarmung als beste Freundinnen, die zum Schluss gemeinsam . In der Rolle der leicht dümmlichen, aber liebenswerten Gigi bewies Andrea Frohn ihr komödiantisches Talent. Und Anja Kruse glänzte als unter einer Schreibblockade leidende Bestsellerautorin, die sich selbst zum geplanten Abschied aus dem Leben noch im Negligé in Pose wirft.

Als „schöne Wilhelmine“ zu erstem Ruhm gekommen

Da passt es, dass Anja Kruse in den 80er Jahren als betörende „schöne Wilhelmine“ in dem gleichnamigen ZDF-Mehrteiler schlagartig einem breiten Publikum bekannt wurde. Viele TV- und Filmrollen folgten, doch ist die gebürtige Essenerin ihrer ersten Liebe, dem Theater, weiterhin treu geblieben. Komplettiert wurde das gut aufgelegte Darsteller-Quartett durch Mark Kuhn als attraktiver Ehemann, dem die Fäden aus den Händen gleiten, und René Toussaint als liebestoller Nachbar.