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Saisonstart verzögert sich Frost zerstört fast 70 Prozent der Erdbeeren in Delmenhorst

Von Merlin Hinkelmann | 10.05.2017, 08:26 Uhr

Die frostigen Temperaturen im April haben die Erdbeerbauern kalt erwischt. Auf Freiland-Ware müssen die Kunden auch beim Erdbeerhof in Stickgras noch etwas warten.

Zu kalt, zu wenig Sonne – und viel zu feucht. Die Erdbeeren von Gerd Pleus haben gelitten, der Frost hat den Früchten im vergangenen Monat mächtig zugesetzt. „Fast 70 Prozent meiner Freiland-Bestände sind zerstört“, klagt Pleus. Die Freiland-Ernte verschiebt sich somit und Pleus ist nicht der einzige Erdbeerbauer, der das zu spüren bekommt. Kein Wunder also, dass die Erdbeeren, die aktuell in den Supermärkten liegen, überwiegend aus Spanien kommen. Ohne geschützte und beheizbare Folientunnel wäre Gerd Pleus aufgeschmissen. Wegen der Kälte hat er noch zusätzlich aufgerüstet – und einen Teil der Erdbeeren im Tunnel mit Vlies abgedeckt. Auch eine Heizung hat er provisorisch aufgestellt.

Selbstpflücker-Saison verschiebt sich

Völlig unzerstörbar sind die Erdbeeren deshalb aber nicht. „So schlimm wie jetzt im April habe ich es in den letzten Jahren lange nicht mehr erlebt. Das hat meinen gesamten Zeitplan über den Haufen geworfen“, sagt er. „Und im Mai sieht es auch nicht gut aus.“ Anfang der Woche hat er die ersten Tunnel-Erdbeeren geerntet, die gibt es jetzt im Hofladen zu kaufen. Selbstpflücker hingegen werden sich noch gedulden müssen. Wie lange, kann der Experte nicht abschätzen. Das sei reine Spekulation: „Die normale Freiland-Erdbeere besitzt Knospenstände an der Blüte, die haben bei Minus sechs Grad im April natürlich Schaden genommen. Wie groß dieser Schaden ist, sieht man aber erst später.“

Erdbeeren mögen keine Wetterextreme

Doch welche Bedingungen sind für Erdbeeren ideal? Pleus: „Am besten ist ganz normales Wetter, so 15 bis 20 Grad.“ Schlecht seien extreme Temperaturen, Hitzeperioden und Frost, meint er. Der schleppende Start in die Saison hat auch Auswirkungen auf den Preis. Noch seien Erdbeeren recht hochpreisig, ähnlich wie beim Spargel. „Es gibt nur wenig Erdbeeren aus der Region, die Nachfrage ist aber groß.“

Immer weniger wollen selbst pflücken

Dass die Kunden die Erdbeeren mit den eigenen Händen pflücken wollen, sei immer seltener der Fall, weiß Pleus. „Häufig kommen Familien. Viele Eltern wollen ihren Kindern zeigen, woher die Früchte kommen. Auch Ältere machen sich die Mühe, sie haben die Zeit dafür.“ Pleus freut sich über jeden Selbstpflücker, der seinen Erdbeerhof besucht. „In der Sonne gereift, schmecken die Erdbeeren eben doch ein bisschen besser.“ Die Erdbeeren aus dem Tunnel kämen jedoch vom Geschmack her schon dicht an die Freilandfrüchte heran.

Mehr Anbau im Tunnel geplant

Trotzdem will Pleus in Zukunft verstärkt auf den geschützten Anbau setzen. Um das Risiko eines Ernteausfalls zu minimieren. Und sich unabhängig zu machen von Wind und Wetter. Auch über fest eingebaute Heizungen denkt er nach. „Die Pflanzen brauchen Wärme. So eine Heizung ist aber ein hoher Kostenfaktor.“ Am Ende hänge es vom Käufer ab. Davon, wie viel er bereit ist, für Erdbeeren aus der Region zu zahlen. Mit den Preisen der Spanier könne er jedenfalls nicht mithalten. Nun hofft Pleus auf besseres und vor allem wärmeres Wetter.