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Salmen-Brief an Delmenhorster Politik Stadtwerke-Chef warnt vor Wasserwerk in Graft

Von Michael Korn | 16.06.2015, 20:17 Uhr

In einem eindringlichen Schreiben an die Fraktionschefs sowie Aufsichtsratsmitglieder hat Stadtwerke-Chef Hans-Ulrich Salmen vor einer Wiederaufnahme der Trinkwasserförderung in den Graftanlagen gewarnt.

In dem Schreiben, das dem dk vorliegt, nennt er Kosten in Millionenhöhe, schlechtere Qualität und mangelnde Betriebssicherheit als Hauptgründe. Der Stadtwerke-Aufsichtsrat berät an diesem Mittwoch über den erneuerten Ratsbeschluss, ein neues Wasserwerk in der Graft zu errichten , um die Versumpfung zu stoppen.

Mehrere Millionen Euro Schadenersatz

Salmen bekräftigt, dass ein Bedarf für zusätzliches Wasserrecht nach Aussage aller Fachleute nicht nachweisbar sei. Ein solches Verfahren würde bis zu zehn Jahre dauern, eine Million Euro an Kosten verursachen und ohnehin mit einer Ablehnung sowie mehreren Millionen Euro Schadenersatz an den Wasserlieferanten OOWV (siehe „Zur Sache“) enden. Ein neues Wasserwerk würde einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen und weitere Kosten würden durch den Rückbau des Wasserwerks Annenheide und eine neue Einspeisestruktur verursacht. Mithin sei die Wasserqualität schlechter (härter, Huminfärbung) und im Verschmutzungsfall müsse deutlich stärker und länger gechlort werden.

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Stadtwerke müssten volle Kosten tragen

Laut Salmen können die millionenteuren Mehrkosten wegen fehlender „rationeller Betriebsführung“ nicht auf die Verbraucher abgewälzt werden. Sie würden in voller Höhe an den Stadtwerken hängen bleiben. Die Gewinnabführung an die Stadt sinke und der steuerliche Querverbund würde gefährdet. Salmen lehnt „jegliche Verantwortung und Haftung“ ab. Diese müssten der Gesellschafter Stadt und die Ratspolitik übernehmen.

Kostenklärung verlangt

Die Fraktionschefs von Unabhängigen, Sascha Voigt, und FDP, Murat Kalmis, haben am Dienstag auf das erhebliche Finanzierungsrisiko hingewiesen und erneut eine Kostenklärung vor einer endgültigen Entscheidung verlangt. Voigt zweifelt zudem an, ob eine Wasserförderung das Versumpfungsproblem überhaupt lösen wird.