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Sanierung von GSG-Wohnungen „Flüchtlinge verdrängen Altmieter in Delmenhorst nicht“

Von Frederik Grabbe | 26.10.2015, 17:15 Uhr

Gerüchten, wonach Mieter von GSG-Wohnungen an der Königsberger Straße ihr Heim wegen des zunehmenden Flüchtlingszuzugs verlassen müssen, hat nun der GSG-Geschäftsführer widersprochen. Die Wohnungen werden zwar saniert, zum Auszug sei aber niemand gedrängt worden, so GSG-Geschäftsführer Stefan Ludwig.

Der Geschäftsführer der städtischen Wohnungsbaugesellschaft (GSG), Stefan Ludwig, hat Gerüchten widersprochen, wonach GSG-Mieter wegen Sanierungsarbeiten aus ihrer Wohnung an der Königsberger Straße gedrängt werden, um so später Flüchtlingen Platz zu machen. Dies hatte eine Leserin dem dk berichtet. Demnach sei sie von zwei Hausmeistern der GSG kürzlich aufgefordert worden, noch vor Weihnachten auszuziehen. Die später sanierte Wohnung solle dann Flüchtlingen zur Verfügung stehen, so die Mieterin. Zwar seien den Mietern wohl andere Wohnungen der GSG angeboten worden, diese wären aber teurer als die alten Wohnungen. Ferner seien diese nach der Modernisierung nicht wieder von den vorherigen Mietern zu beziehen.

„Ein Zwang zum Auszug besteht nicht“

Dem widerspricht indes Stefan Ludwig und spricht von einem Missverständnis. „Richtig ist, dass bis voraussichtlich Februar 2016 Sanierungsarbeiten an 28 Wohnungen der GSG in der Königsberger Straße vorgenommen werden“, sagte der Geschäftsführer auf Nachfrage. „Die Bewohner sind darauf hingewiesen worden, dass es empfehlenswert sei, während der Bauarbeiten nicht in der Wohnung zu leben.“ Für solche Fälle habe die GSG aber ein Kontingent an leerstehenden Wohnungen vorgesehen, in denen Mieter während der Arbeiten übergangsweise leben könnten. Ein Zwang zum Auszug bestehe aber nicht.

Sanierung von 28 Wohnungen

 (Weiterlesen: Themenportal Flüchtlinge in Delmenhorst) 

Nach Ludwigs Angaben werden die Häuser der Königsberger Straße 91, 93, 95 und 97 momentan Schritt für Schritt vollsaniert. Insgesamt handele es sich um 28 Wohnungen mit einer Fläche von 1400 Quadratmetern. Die Modernisierung solle zwischen einer und eineinhalb Millionen Euro kosten. Eine Anhebung der Mieten nach der Sanierung sei möglich, so Ludwig. Um wie viel konnte er noch nicht sagen. Ludwig wies darauf hin, dass auf einen Teil der Modernisierungskosten, die die GSG auf die Miete anrechnen dürfe, stets verzichtet worden sei. Auch betrachte die Gesellschaft den Einzelfall.

200 von 2200 Wohnungen sind von Flüchtlingen bewohnt

Dass später in leer stehende Wohnungen Flüchtlinge einziehen könnten, wollte der Geschäftsführer nicht ausschließen. Altmieter werden aber nicht verdrängt.

Am ersten Oktober zählte die GSG 200 Wohnungen, in die Flüchtlinge untergebracht worden sind. Insgesamt verwaltet sie in Delmenhorst und Stuhr rund 2200 Wohnungen.

Pestel-Institut warnt vor Wohnungskrise in Delmenhorst

Unterdessen warnt das Prognose-Institut Pestel in Bezug auf die Flüchtlingsdebatte vor einer „handfesten Wohnungskrise“ in Delmenhorst. Dieses hat im Auftrag von Vertretern der Baubranche (Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau, Bund Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure sowie der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel) ausgerechnet, dass allein in diesem Jahr 360 Wohnungen für Flüchtlinge in der Stadt fehlen. Es sei „zwingend notwendig, die Neubaurate enorm zu steigern“, so die Verfasser der Analyse.

An die Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag (SPD) und Astrid Grotelüschen (CDU) gerichtet warnt das Pestel-Institut vor einer „Wohnungskrise“, die das Potenzial hat, „erhebliche soziale Spannungen“ zu erzeugen. Neubau und Sanierung von Wohnungen sollten als „Konjunkturmotor“ neu entdeckt werden, so die Verfasser.

Auf Sammelunterkünfte für Flüchtlinge wie das Stadionheim oder Sporthallen oder auf die Abwanderung von Flüchtlingen aus Delmenhorst geht die Analyse allerdings nicht ein.