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Schaden von halber Million Euro Zwei Delmenhorster sollen Senioren ausgeraubt haben

Von Ole Rosenbohm | 03.08.2017, 18:52 Uhr

ohm Oldenburg/Delmenhorst. Erpressung und Körperverletzung: Zwei Delmenhorster müssen sich seit Donnerstag in einem Prozess vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.

Es klang dramatisch, was die Opfer am Telefon erfuhren: „Ihr Vermögen ist in Gefahr“, soll ein gewisser Herr Schneider, angeblich von der Polizei, berichtet haben. Ein Krimineller räume die Konten der Sparkasse leer. Aber keine Sorge, sagte der Mann, die Ermittler seien ihm auf der Spur. Alles, was der Angerufene tun müsse, sei schnell das Geld abheben und einem Kollegen übergeben. Doch „Herr Schneider“ war selbst der Kriminelle, der „Kollege“ ein Komplize.

Wegen solcher und ähnlicher Betrügereien, zudem Erpressung und Körperverletzung müssen sich seit Donnerstag zwei Delmenhorster in einem Prozess vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Die Anklage wirft ihnen vor, in acht Fällen Senioren im Alter von bis zu über 90 Jahren insgesamt eine halbe Million Euro abgenommen zu haben.

Anrufer überzeugen als Polizisten

Die Anrufer spielten wohl ihre Rolle als Polizisten gekonnt. Zudem erschienen auf den Displays der Opfer dank eines technischen Tricks Nummern regionaler Polizeidienststellen. In Wirklichkeit aber sollen die Anrufe aus der Türkei getätigt sein.

Dort sitzen die Hintermänner dieser Betrugsmasche. Dorthin seien die erbeuteten Gelder transferiert worden, so die Anklage. Womöglich ein großes Betrugs-Netzwerk.

Mit dem Tod bedroht

Aufgabe der Angeklagten soll die Organisation vor Ort gewesen sein: Geldabholer akquirieren, das erbeutete Geld minus des eigenen Anteils in die Türkei transferieren, auch mal einen Anwalt organisieren. Mit einem der Geldabholer gab es Ärger. Statt 23.000 Euro hatte eine 81-jährige Berlinerin dem vermeintlichen Polizisten nur eine Tasche mit 2300 Euro ausgehändigt – offenbar hatte sie sich selbst versehen, vermutet die Staatsanwaltschaft. Der 27-jährige Angeklagte vermutete dagegen Betrug an ihm selbst, begangen durch den Geldabholer. Mit anderen soll er ihn festgehalten, beraubt und erpresst, ihn mit Baseballschläger, Kettensäge und Tod bedroht haben.

Einen Monat später, im November 2016, schlug die Polizei zu, seitdem sitzen die Angeklagten in Haft. Der gepeinigte Geldabholer tritt in diesem bis Dezember angesetzten Prozess als Nebenkläger auf, wird sich aber selber auch vor einem anderen Gericht verantworten müssen. Die des Bandenbetrugs angeklagten Delmenhorster kündigten über ihre Anwälte eine Aussage an, schwiegen am Donnerstag aber noch.